Wer eine GuV abschließen muss, sucht meist nach einer klaren Antwort auf zwei Fragen: Welche Buchungssätze sind richtig? und in welcher Reihenfolge werden die Konten abgeschlossen? Genau das klärt dieser Beitrag. Sie erfahren Schritt für Schritt, wie Aufwands- und Ertragskonten über die Gewinn- und Verlustrechnung abgeschlossen werden, wie der Saldo entsteht und wann der Abschluss auf das Eigenkapital erfolgt. Wenn Sie den Gesamtzusammenhang besser verstehen möchten, helfen außerdem unsere Beiträge zu Jahresabschluss, Bilanz erstellen und Buchhaltung Grundlagen.
Was bedeutet GuV abschließen?
Die GuV, also die Gewinn- und Verlustrechnung, sammelt am Ende eines Geschäftsjahres alle Erträge und Aufwendungen. Beim Abschluss werden die einzelnen Erfolgskonten nicht direkt in die Bilanz überführt, sondern zuerst über das GuV-Konto zusammengezogen. Erst der daraus entstehende Saldo zeigt, ob ein Jahresüberschuss oder ein Jahresfehlbetrag vorliegt.
Für buchführungspflichtige Unternehmen ist dieser Schritt Teil des Jahresabschlusses. Die grundlegende Pflicht zum Jahresabschluss ergibt sich aus § 242 HGB zum Jahresabschluss, die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung aus § 275 HGB zur Gliederung der GuV. Wichtig ist aber auch: Wer seinen Gewinn per EÜR ermittelt, schließt keine GuV ab. Der Begriff betrifft also vor allem bilanzierende Unternehmen.
In welcher Reihenfolge wird die GuV abgeschlossen?
In der Praxis ist die Reihenfolge wichtig, weil sie Fehler bei den Abschlussbuchungen vermeidet. Der typische Ablauf sieht so aus:
- Aufwandskonten schließen und auf die GuV umbuchen
- Ertragskonten schließen und auf die GuV umbuchen
- Saldo der GuV ermitteln
- Gewinn oder Verlust auf das Eigenkapital- oder Ergebnisverwendungskonto übertragen
Wenn Sie mit einem Kontenrahmen arbeiten, finden Sie oft zusätzliche Strukturhilfen in Software oder in Anleitungen zum Kontenrahmen SKR03. Der buchhalterische Kern bleibt aber immer gleich: Zuerst die Erfolgskonten, dann das Gesamtergebnis.
| Schritt | Was wird abgeschlossen? | Typischer Buchungssatz |
|---|---|---|
| 1 | Aufwandskonten | GuV an Aufwandskonto |
| 2 | Ertragskonten | Ertragskonto an GuV |
| 3 | Saldo der GuV | Gewinn oder Verlust feststellen |
| 4 | Ergebnisübertragung | GuV an Eigenkapital oder Eigenkapital an GuV |
Die Buchungssätze beim GuV-Abschluss
Aufwandskonten über die GuV schließen
Aufwandskonten haben im Regelfall ihren Saldo im Soll. Damit sie am Jahresende ausgeglichen sind, werden sie über die GuV im Haben abgeschlossen. Der klassische Buchungssatz lautet deshalb:
GuV an Aufwandskonto
Typische Aufwandskonten sind Wareneinsatz, Miete, Löhne, Gehälter, Abschreibungen oder Werbekosten. Jede einzelne Abschlussbuchung bringt den jeweiligen Aufwandssaldo auf das GuV-Konto.
Ertragskonten über die GuV schließen
Ertragskonten haben normalerweise einen Habensaldo. Um sie zum Jahresende auszugleichen, werden sie über die GuV im Soll abgeschlossen. Daraus ergibt sich der Buchungssatz:
Ertragskonto an GuV
Dazu zählen beispielsweise Umsatzerlöse, Provisionserträge, Zinserträge oder sonstige betriebliche Erträge. Nach diesen Buchungen stehen die Erträge und Aufwendungen gesammelt auf dem GuV-Konto gegenüber.
GuV-Saldo auf das Eigenkapital übertragen
Erst jetzt wird der Saldo ausgewertet. Übersteigen die Erträge die Aufwendungen, liegt ein Gewinn vor. Übersteigen die Aufwendungen die Erträge, entsteht ein Verlust.
- Bei Gewinn: GuV an Eigenkapital
- Bei Verlust: Eigenkapital an GuV
Je nach Rechtsform, Kontenlogik und Buchhaltungssoftware können dafür spezielle Ergebnis- oder Kapitalkonten verwendet werden. Die Logik bleibt aber gleich: Gewinn erhöht das Eigenkapital, Verlust mindert es.
Beispiel: GuV abschließen mit einfachen Zahlen
Ein kleines Handelsunternehmen hat zum Jahresende folgende Salden:
- Umsatzerlöse: 65.000 Euro
- Sonstige Erträge: 5.000 Euro
- Wareneinsatz: 40.000 Euro
- Miete und übrige Aufwendungen: 20.000 Euro
So wird die GuV abgeschlossen:
- GuV an Wareneinsatz 40.000 Euro
- GuV an sonstige Aufwendungen 20.000 Euro
- Umsatzerlöse 65.000 Euro an GuV
- Sonstige Erträge 5.000 Euro an GuV
Damit stehen auf der GuV 70.000 Euro Erträge und 60.000 Euro Aufwendungen. Es verbleibt ein Gewinn von 10.000 Euro. Der Abschluss des GuV-Kontos lautet also:
GuV an Eigenkapital 10.000 Euro
Wären die Aufwendungen höher als die Erträge, würde der letzte Satz entsprechend umgekehrt: Eigenkapital an GuV.
Formel zur Ermittlung des Jahresergebnisses
Der Rechenkern hinter dem GuV-Abschluss ist einfach: Alle Erträge werden addiert, alle Aufwendungen ebenfalls. Die Differenz ergibt das Jahresergebnis.
Einfacher GuV-Rechner
Mit dem folgenden Rechner können Sie das Grundprinzip sofort prüfen. Er ersetzt keine vollständige Buchhaltung, zeigt aber schnell, ob sich aus Ihren Erträgen und Aufwendungen ein Gewinn oder Verlust ergibt.
Geben Sie Beispielwerte ein oder überschreiben Sie die Felder mit Ihren eigenen Zahlen.
Gesamterträge: 0,00 €
Gesamtaufwendungen: 0,00 €
Jahresergebnis: 0,00 €
Einordnung: Noch keine Berechnung
Möglicher Abschluss: -
Häufige Fehler beim GuV abschließen
- Aufwands- und Ertragsbuchungen verwechseln: Aufwand wird an die GuV gebucht, Ertrag von seinem Konto an die GuV.
- Saldo zu früh übertragen: Erst wenn alle Erfolgskonten abgeschlossen sind, darf die GuV selbst abgeschlossen werden.
- EÜR und Bilanzierung vermischen: Nicht jedes Unternehmen erstellt eine GuV.
- Falsches Zielkonto nutzen: Je nach Rechtsform und Kontenrahmen kann das Zielkonto variieren, die Ergebnislogik aber nicht.
- Automatik der Software blind vertrauen: Ein fehlerhaftes Konto oder eine falsche Zuordnung zieht sonst den gesamten Abschluss mit.
Häufige Fragen zum GuV-Abschluss
Wann wird die GuV abgeschlossen?
Im Regelfall am Ende des Geschäftsjahres im Rahmen des Jahresabschlusses. Viele Unternehmen erstellen zusätzlich monatliche oder quartalsweise Auswertungen, aber der eigentliche Abschluss der GuV gehört zum periodischen Abschluss.
Wie lautet der Buchungssatz bei Gewinn?
Wenn die Erträge höher sind als die Aufwendungen, lautet der Grundsatz GuV an Eigenkapital. In Kapitalgesellschaften oder in spezieller Kontenlogik kann stattdessen ein separates Ergebniskonto verwendet werden.
Wie lautet der Buchungssatz bei Verlust?
Wenn die Aufwendungen höher sind als die Erträge, lautet der Grundsatz Eigenkapital an GuV. Der Verlust vermindert das Eigenkapital.
Wird die GuV direkt über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen?
In der buchhalterischen Grundlogik wird das GuV-Ergebnis zunächst dem Eigenkapital beziehungsweise einem dafür vorgesehenen Ergebniskonto zugeordnet. Wie Ihre Software den technischen Ablauf im Hintergrund darstellt, kann davon abweichen. Entscheidend ist, dass der Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag korrekt im Abschluss erscheint.
Welche Konten werden nicht direkt über die GuV abgeschlossen?
Bestandskonten wie Kasse, Bank, Forderungen oder Verbindlichkeiten werden nicht über die GuV abgeschlossen. Sie gehen in die Bilanz beziehungsweise in das Schlussbilanzkonto ein. Die GuV ist ausschließlich für Erfolgskonten zuständig.
Fazit
GuV abschließen ist im Kern kein komplizierter, aber ein sehr systematischer Vorgang: Erst werden alle Aufwandskonten über die GuV geschlossen, dann alle Ertragskonten, anschließend wird der Saldo als Gewinn oder Verlust auf das passende Kapitalkonto übertragen. Wer diese Reihenfolge beherrscht, versteht nicht nur die Buchungssätze besser, sondern erkennt auch Fehler im Jahresabschluss schneller. Für die Praxis gilt deshalb: Logik verstehen, Zahlen prüfen, Abschluss sauber dokumentieren.