In der modernen Logistik und Beschaffung ist Liquidität oft genauso wichtig wie die Verfügbarkeit von Waren. Konsignationsware bietet hierfür eine elegante Lösung: Ware, die bereits beim Kunden liegt, aber noch dem Lieferanten gehört. Dieses Modell optimiert die Lieferkette und schafft finanzielle Spielräume für beide Seiten.
Doch wie genau funktioniert der Prozess im Konsignationslager? Welche rechtlichen Fallstricke gibt es, und wie berechnet man den finanziellen Vorteil? Dieser Artikel führt Sie tief in die Thematik ein – von der Definition bis zur praktischen Berechnung Ihrer Ersparnis.
Was ist Konsignationsware?
Konsignationsware bezeichnet Waren oder Güter, die ein Lieferant (der Konsignant) einem Abnehmer (dem Konsignatar) zur Verfügung stellt, ohne dass das Eigentum sofort übergeht. Die Ware wird in einem sogenannten Konsignationslager beim Abnehmer aufbewahrt.
Das entscheidende Merkmal ist der Zeitpunkt des Eigentumsübergangs: Die Ware verbleibt im rechtlichen Eigentum des Lieferanten, bis der Abnehmer sie aus dem Lager entnimmt – sei es für den Weiterverkauf oder für die eigene Produktion. Erst in diesem Moment entsteht eine Verbindlichkeit und die Ware muss bezahlt werden.
Wie funktioniert das Konsignationslager?
Der Prozess lässt sich in vier wesentliche Phasen unterteilen:
- Bestückung: Der Lieferant füllt das Lager beim Kunden auf eigene Kosten und Risiko auf.
- Lagerung: Die Ware lagert physisch beim Kunden, gehört aber bilanziell noch zum Bestandsvermögen des Lieferanten.
- Entnahme: Der Kunde entnimmt die Ware nach Bedarf. Dies ist der „Point of Sale“ oder Verbrauchspunkt.
- Abrechnung: Meist erfolgt eine periodische Abrechnung (z. B. monatlich) über alle im Zeitraum entnommenen Waren.
Vor- und Nachteile für Lieferanten und Abnehmer
Die Einrichtung eines Konsignationslagers ist eine strategische Partnerschaft, die für beide Seiten Chancen und Risiken birgt.
Für den Abnehmer (Konsignatar)
- Vorteil Liquidität: Da die Ware erst bei Entnahme bezahlt wird, wird kein Kapital in Lagerbeständen gebunden.
- Vorteil Verfügbarkeit: Die Ware ist sofort vor Ort verfügbar, was Produktionsausfälle oder „Out-of-Stock“-Situationen verhindert.
- Nachteil Abhängigkeit: Es entsteht eine stärkere Bindung an einen spezifischen Lieferanten.
Für den Lieferanten (Konsignant)
- Vorteil Kundenbindung: Durch die tiefe Integration in die Logistik des Kunden wird die Geschäftsbeziehung gefestigt.
- Vorteil Marktplatzierung: Die Ware ist beim Kunden präsent und verdrängt potenziell Wettbewerberprodukte.
- Nachteil Kapitalbindung: Der Lieferant muss die Ware vorfinanzieren und trägt das Risiko der Veralterung oder Beschädigung bis zur Entnahme.
Berechnung der Kapitalbindungskosten
Ein Hauptargument für Konsignationsware aus Sicht des Abnehmers ist die Einsparung von Kapitalbindungskosten. Wenn Sie Ware nicht kaufen müssen, um sie auf Lager zu legen, sparen Sie die Zinsen, die dieses Kapital sonst kosten würde (oder erwirtschaften könnte).
Interaktiver Rechner: Ersparnis durch Konsignationslager
Nutzen Sie diesen Rechner, um grob zu ermitteln, wie viel Liquidität Sie durch die Umstellung auf Konsignationsware jährlich schonen können.
Rechtliche und steuerliche Aspekte
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die steuerliche Behandlung, insbesondere bei grenzüberschreitenden Konsignationslagern innerhalb der EU. Seit 2020 gelten hier die sogenannten „Quick Fixes“, die die Konsignationslagerregelung vereinheitlicht haben.
Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, muss sich der Lieferant nicht mehr im Bestimmungsland für die Umsatzsteuer registrieren lassen. Die Lieferung gilt erst zum Zeitpunkt der Entnahme als ausgeführt (innergemeinschaftlicher Erwerb durch den Kunden). Für detaillierte Informationen zu diesen Regelungen bietet das Portal Haufe Finance umfassende Fachbeiträge.
Der Konsignationslagervertrag
Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte ein detaillierter Vertrag geschlossen werden. Wichtige Punkte sind:
- Eigentumsvorbehalt: Klarstellung, dass die Ware bis zur Entnahme dem Lieferanten gehört.
- Versicherung: Wer haftet bei Feuer, Diebstahl oder Wasserschaden im Lager? (Oft der Abnehmer, da er die Gewalt über das Lager hat).
- Inventur: Regelungen zu Zählungen und Bestandskontrollen.
- Rückgaberecht: Was passiert mit „Ladenhütern“?
Fazit
Konsignationsware ist ein mächtiges Instrument im Supply Chain Management. Sie verlagert das Lagerrisiko und die Kapitalbindung auf den Lieferanten, bietet diesem aber im Gegenzug eine exklusive Kundenbindung. Für den Abnehmer ist es eine hervorragende Methode, um Liquidität zu bewahren, ohne auf Versorgungssicherheit zu verzichten. Wichtig ist jedoch immer eine saubere vertragliche und steuerliche Ausgestaltung.