Logistikkennzahlen: Guide zu Definitionen & Optimierung

Logistikkennzahlen sind das Navigationssystem für effiziente Lieferketten. Dieser Guide erklärt die wichtigsten KPIs wie Lagerumschlag und Liefertreue, bietet Berechnungsformeln und zeigt, wie Sie Ihre Logistikprozesse datenbasiert optimieren.

In der modernen Wirtschaft gilt der Grundsatz: Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken. Logistikkennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) sind das Navigationssystem für jedes Unternehmen, das Waren bewegt. Sie machen verborgene Kosten sichtbar, decken Ineffizienzen auf und sind die Basis für datengestützte Entscheidungen. Ob Sie ein Lager verwalten, den Einkauf steuern oder die Distribution überwachen – ohne die richtigen Kennzahlen fliegen Sie im Blindflug.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Logistikkennzahlen wirklich zählen, wie man sie berechnet und wie Sie diese nutzen, um Ihre Supply Chain auf das nächste Level zu heben.

Der Logistik-Prozess und KPI-Messpunkte Ein Diagramm, das den Warenfluss von der Beschaffung bis zum Kunden zeigt und die relevanten Kennzahlen an jedem Punkt markiert. 1. Beschaffung Liefertreue Bestellkosten 2. Lagerung Lagerumschlag Bestandsgenauigkeit 3. Transport Durchlaufzeit Frachtkosten 4. Kunde Servicegrad Reklamationsquote Gesamtkosten (Total Cost)

Was sind Logistikkennzahlen?

Logistikkennzahlen sind quantitative Messgrößen, die die Leistung (Performance) logistischer Prozesse abbilden. Sie dienen dazu, Ziele zu definieren, den Ist-Zustand zu überwachen und Abweichungen frühzeitig zu erkennen. In der Fachsprache oft als KPIs (Key Performance Indicators) bezeichnet, bilden sie das Rückgrat eines effizienten Supply Chain Managements.

Ein effektives Kennzahlensystem beantwortet Fragen wie:

  • Wie lange liegt Ware durchschnittlich im Lager?
  • Wie zuverlässig liefern unsere Lieferanten?
  • Wie hoch sind die Kosten pro versendeter Einheit?

Die wichtigsten Kennzahlen in der Logistik

Um den Überblick nicht zu verlieren, unterteilt man Logistik-KPIs in vier Hauptbereiche: Lager, Beschaffung, Transport und Distribution. Hier sind die entscheidenden Metriken, die jeder Logistikmanager kennen sollte.

1. Lagerkennzahlen

Das Lager ist oft der Ort, an dem das meiste Kapital gebunden ist. Effizienz ist hier gleichbedeutend mit Liquidität.

Lagerumschlagshäufigkeit

Diese Kennzahl gibt an, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand innerhalb eines Jahres komplett verkauft bzw. verbraucht wurde. Ein hoher Wert deutet auf effiziente Lagerhaltung und geringe Kapitalbindung hin.

Was diese Formel darstellt:

Sie misst die Geschwindigkeit des Warenumschlags. Je höher der Wert, desto kürzer verweilt die Ware im Lager.

Formel zur Berechnung:

\[ \text{Lagerumschlagshäufigkeit} = \frac{\text{Wareneinsatz (pro Jahr)}}{\text{Ø Lagerbestand}} \]

Erklärung der Bestandteile:

  • Wareneinsatz: Die Summe der Anschaffungskosten aller verkauften Waren in einer Periode.
  • Ø Lagerbestand: (Anfangsbestand + Endbestand) / 2.

Rechner: Lagerumschlagshäufigkeit

2. Beschaffungs- und Lieferantenkennzahlen

Hier steht die Qualität der Zulieferer im Fokus. Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

  • Liefertreue (On-Time Delivery): Der Prozentsatz der Lieferungen, die zum vereinbarten Termin eintreffen.
  • Reklamationsquote: Anteil der fehlerhaften Lieferungen an der Gesamtmenge.

Für tiefergehende Studien zur Lieferketten-Resilienz bietet die Bundesvereinigung Logistik (BVL) regelmäßig aktuelle Berichte und Fachartikel an.

3. Distributions- und Servicekennzahlen

Diese KPIs messen, wie gut Sie Ihre Kunden bedienen. Sie sind entscheidend für die Kundenzufriedenheit.

  • Lieferbereitschaft (Service Level): Die Fähigkeit, eingehende Bestellungen sofort aus dem Lagerbestand zu bedienen.
  • Durchlaufzeit (Order Cycle Time): Die Zeitspanne von der Bestellung des Kunden bis zum Erhalt der Ware.
Übersicht: Die 4 Säulen der Logistik-KPIs Eine Zusammenfassung der wichtigsten Kennzahlen in den Bereichen Qualität, Kosten, Zeit und Produktivität. Logistik-KPI Dashboard ⏱️ Zeit-Kennzahlen • Durchlaufzeit • Wiederbeschaffungszeit • Standzeiten 💰 Kosten-Kennzahlen • Logistikkostenanteil • Lagerhaltungskosten • Transportkosten je Einheit ✅ Qualitäts-Kennzahlen • Liefertreue • Reklamationsquote • Bestandsgenauigkeit ⚙️ Produktivitäts-Kennzahlen • Lagerumschlag • Auslastungsgrad • Picks pro Stunde

Häufige Fehler bei der KPI-Analyse

Viele Unternehmen sammeln Daten, nutzen sie aber falsch. Ein klassischer Fehler ist die „Datenflut“: Zu viele Kennzahlen führen zu Verwirrung statt Klarheit. Konzentrieren Sie sich auf die Top 5 bis 10 KPIs, die direkt auf Ihre Unternehmensziele einzahlen.

Ein weiterer Fehler ist die isolierte Betrachtung. Eine Reduzierung der Lagerbestände (positiv für die Kosten) kann die Lieferbereitschaft (negativ für den Kunden) senken, wenn sie zu aggressiv betrieben wird. Ein ausgewogenes Dashboard ist daher essenziell.

Fazit

Logistikkennzahlen sind unverzichtbare Werkzeuge für ein modernes Supply Chain Management. Sie schaffen Transparenz und ermöglichen eine kontinuierliche Verbesserung. Beginnen Sie mit den Grundlagen wie der Lagerumschlagshäufigkeit und der Liefertreue, und bauen Sie darauf auf. Nutzen Sie digitale Tools, um diese Daten in Echtzeit zu erfassen, anstatt sich auf veraltete Excel-Tabellen zu verlassen.

Für weiterführende Informationen zu technologischen Standards in der Logistik empfiehlt sich ein Blick auf die Publikationen des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Prozesskennzahlen und Ergebniskennzahlen?

Prozesskennzahlen (z.B. Durchlaufzeit) messen die Effizienz des Ablaufs selbst, während Ergebniskennzahlen (z.B. Logistikkosten) das finale Resultat bewerten.

Wie oft sollten Logistikkennzahlen erhoben werden?

Das hängt von der Kennzahl ab. Operative KPIs wie der Lagerbestand sollten idealerweise in Echtzeit oder täglich überwacht werden, strategische KPIs oft monatlich oder quartalsweise.

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