In der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) stehen Unternehmen oft vor der Herausforderung, Gemeinkosten fair und logisch auf die Endprodukte zu verteilen. Das Stufenleiterverfahren (auch Treppenverfahren genannt) ist dabei eine der beliebtesten Methoden der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung. Es bietet einen cleveren Kompromiss zwischen Genauigkeit und Rechenaufwand, indem es Leistungsbeziehungen zwischen Vorkostenstellen berücksichtigt – allerdings nur in eine Richtung.
Doch wie genau funktioniert diese „Treppe“ der Kostenverteilung? In diesem Artikel erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie das Verfahren anwenden, sehen ein konkretes Rechenbeispiel und können mit unserem integrierten Rechner eigene Verrechnungssätze bestimmen.
Was ist das Stufenleiterverfahren?
Das Stufenleiterverfahren ist ein Verfahren der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung (IBL). Es dient dazu, die Gemeinkosten von Vorkostenstellen (z. B. Kantine, Energieversorgung, IT) auf andere Kostenstellen zu verteilen. Im Gegensatz zum simplen Anbauverfahren berücksichtigt es, dass auch Vorkostenstellen untereinander Leistungen austauschen – allerdings nur in eine Richtung (einseitige Leistungsverflechtung).
Der Name „Stufenleiter“ oder „Treppenverfahren“ kommt von der Art der Berechnung: Die Kostenstellen werden wie auf einer Treppe angeordnet und nacheinander abgerechnet. Ist eine Stufe (Kostenstelle) einmal abgerechnet, werden ihr keine weiteren Kosten mehr zugewiesen. Rückflüsse (z. B. wenn die IT auch Strom verbraucht, nachdem die Energie-Stelle schon abgerechnet wurde) werden ignoriert.
Wie funktioniert das Stufenleiterverfahren?
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Reihenfolge. Damit das Verfahren so genau wie möglich ist, müssen die Vorkostenstellen logisch sortiert werden:
- Schritt 1: Identifizieren Sie die Vorkostenstellen.
- Schritt 2: Sortieren Sie diese so, dass die Kostenstelle, die die meisten Leistungen an andere Vorkostenstellen abgibt (und am wenigsten empfängt), ganz am Anfang steht.
- Schritt 3: Berechnen Sie den Verrechnungssatz der ersten Stelle und verteilen Sie deren Kosten auf alle nachfolgenden Stellen.
- Schritt 4: Die nächste Kostenstelle hat nun ihre eigenen primären Gemeinkosten plus die soeben erhaltenen sekundären Gemeinkosten. Diese Summe wird nun weiterverteilt.
Rechenbeispiel zum Stufenleiterverfahren
Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an. Ein Unternehmen hat zwei Vorkostenstellen (VKS) und zwei Endkostenstellen (EKS).
- VKS 1 (Energie): Primäre Gemeinkosten: 10.000 €. Erzeugt 1.000 kWh. Davon gehen 100 kWh an die IT (VKS 2) und 900 kWh an die Fertigung.
- VKS 2 (IT): Primäre Gemeinkosten: 5.000 €. Leistet 500 Stunden Support. Davon gehen 0 Stunden an Energie (Rückfluss ignoriert) und 500 Stunden an die Fertigung.
Da VKS 1 an VKS 2 liefert, rechnen wir VKS 1 zuerst ab.
Hätten wir die Reihenfolge vertauscht oder das Anbauverfahren genutzt, wäre der Kostensatz der IT niedriger ausgefallen, da die Stromkosten nicht berücksichtigt worden wären. Das Stufenleiterverfahren liefert hier also ein genaueres Ergebnis für die Preiskalkulation der IT-Leistungen.
Interaktiver Rechner: Verrechnungssatz bestimmen
Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell den Verrechnungssatz einer Stufe zu ermitteln, nachdem Sie die Kosten der vorangegangenen Stufen addiert haben.
Vor- und Nachteile im Überblick
Warum sollten Sie das Stufenleiterverfahren wählen – und wann ist es ungeeignet? Hier eine kompakte Übersicht:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Genauer als das Anbauverfahren, da Leistungsbeziehungen teilweise erfasst werden. | Berücksichtigt keine gegenseitigen Leistungsverflechtungen (Rückflüsse). |
| Rechenaufwand ist überschaubar und ohne komplexe Gleichungssysteme lösbar. | Das Ergebnis hängt stark von der gewählten Reihenfolge der Kostenstellen ab. |
| Gut geeignet für Unternehmen mit klaren „Flussrichtungen“ bei Dienstleistungen. | Ungenau, wenn Vorkostenstellen sich gegenseitig stark beliefern (z.B. IT nutzt Strom, Stromerzeugung nutzt IT). |
Abgrenzung zu anderen Verfahren
Das Stufenleiterverfahren ist der „Mittelweg“ in der KLR. Um es richtig einzuordnen, hilft der Vergleich:
- Anbauverfahren: Ignoriert jegliche Beziehungen zwischen Vorkostenstellen. Es ist am einfachsten, aber auch am ungenauesten.
- Gleichungsverfahren: Erfasst alle Beziehungen, auch die gegenseitigen (z. B. IT ↔ Energie), durch ein lineares Gleichungssystem. Es ist mathematisch exakt, aber aufwendiger.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann ist das Stufenleiterverfahren sinnvoll?
Es ist ideal für Unternehmen, bei denen die Leistungsströme der Vorkostenstellen eindeutig in eine Richtung fließen (z. B. Energie versorgt alle, empfängt aber kaum etwas zurück) und der Aufwand für das Gleichungsverfahren zu hoch wäre.
Was passiert bei falscher Reihenfolge?
Wird die Reihenfolge falsch gewählt (z. B. eine Stelle, die viele Leistungen empfängt, wird zuerst abgerechnet), werden diese empfangenen Leistungen ignoriert. Die Verrechnungssätze werden ungenau, was zu Fehlkalkulationen bei den Endprodukten führen kann.