Vorräte sind für viele Unternehmen das gebundene Kapital, das den Motor am Laufen hält. Ob Rohstoffe im Lager oder fertige Produkte im Verkaufsraum: Die korrekte Erfassung und Bewertung der Vorräte in der Bilanz ist nicht nur für den Jahresabschluss entscheidend, sondern auch ein kritischer Faktor für die Liquiditätssteuerung. Fehler hier können den Gewinn verfälschen und steuerliche Konsequenzen nach sich ziehen.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Vorräte nach HGB definiert und bewertet werden, was das strenge Niederstwertprinzip bedeutet und wie Sie mit unserem integrierten Rechner Ihre Lagerkennzahlen optimieren können.
Was sind Vorräte in der Bilanz?
Vorräte (englisch: Inventories) gehören zum Umlaufvermögen eines Unternehmens. Es handelt sich um Vermögensgegenstände, die nicht dauerhaft im Unternehmen verbleiben sollen, sondern zum Verbrauch in der Produktion oder zum Verkauf bestimmt sind.
Gemäß § 266 HGB werden Vorräte auf der Aktivseite der Bilanz unter dem Punkt B. I. ausgewiesen und in vier Hauptgruppen unterteilt:
- Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe: Materialien, die direkt in das Produkt eingehen (Rohstoffe), es ergänzen (Hilfsstoffe, z.B. Schrauben) oder die Produktion ermöglichen (Betriebsstoffe, z.B. Schmieröl).
- Unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen: Produkte, die den Produktionsprozess noch nicht vollständig durchlaufen haben.
- Fertige Erzeugnisse und Waren: Verkaufsbereite Produkte aus eigener Herstellung oder zugekaufte Handelswaren.
- Geleistete Anzahlungen: Vorabzahlungen an Lieferanten für Vorräte, die noch nicht geliefert wurden.
Bewertung der Vorräte: Das Niederstwertprinzip
Die Bewertung der Vorräte ist einer der sensibelsten Bereiche im Jahresabschluss. Der Grundsatz lautet: Vorsicht. Um Gläubiger zu schützen, darf das Vermögen nicht zu hoch ausgewiesen werden.
Anschaffungs- und Herstellungskosten
Grundsätzlich werden Vorräte zunächst mit ihren Anschaffungskosten (bei Zukauf) oder Herstellungskosten (bei Eigenproduktion) angesetzt. Zu den Anschaffungskosten zählen auch Nebenkosten wie Fracht oder Zoll, abzüglich Skonti und Rabatte.
Das strenge Niederstwertprinzip
Zum Bilanzstichtag muss geprüft werden, ob der aktuelle Markt- oder Börsenpreis niedriger ist als die ursprünglichen Anschaffungskosten. Ist dies der Fall, muss zwingend auf den niedrigeren Wert abgeschrieben werden. Dies nennt man das strenge Niederstwertprinzip. Es verhindert, dass Lagerbestände mit veralteten, zu hohen Werten in der Bilanz stehen.
Beispiel: Sie haben Stahl für 100.000 € eingekauft. Zum Bilanzstichtag ist der Stahlpreis gefallen, und der Bestand wäre nur noch 80.000 € wert. In der Bilanz dürfen Sie nur 80.000 € ansetzen. Die Differenz von 20.000 € ist ein Aufwand, der Ihren Gewinn mindert.
Vereinfachungsverfahren: LiFo und FiFo
Da es in der Praxis oft unmöglich ist, jedes einzelne Schräubchen genau einem Einkaufspreis zuzuordnen, erlaubt das Handelsrecht (und Steuerrecht) bestimmte Verbrauchsfolgeverfahren:
- FiFo (First-in, First-out): Es wird angenommen, dass die zuerst eingelagerten Waren auch zuerst verbraucht oder verkauft werden. Der Endbestand wird also mit den Preisen der zuletzt beschafften Ware bewertet.
- LiFo (Last-in, First-out): Hier wird unterstellt, dass die zuletzt gelieferten Waren zuerst verbraucht werden. Der Lagerbestand wird mit den ältesten Preisen bewertet. Dies ist steuerlich in Deutschland oft das bevorzugte Verfahren, da es bei steigenden Preisen zu einem niedrigeren Gewinnausweis führt (stille Reserven).
Mehr Details zu den Bewertungsmaßstäben finden Sie auch im Gabler Wirtschaftslexikon.
Wichtige Kennzahl: Die Lagerumschlagshäufigkeit
Für das Controlling ist nicht nur der absolute Wert der Vorräte interessant, sondern wie effizient damit gearbeitet wird. Eine hohe Lagerumschlagshäufigkeit deutet auf effiziente Prozesse und geringe Kapitalbindung hin.
Interaktiver Rechner: Lagerkennzahlen
Nutzen Sie unseren Rechner, um Ihre Umschlagshäufigkeit und die durchschnittliche Lagerdauer zu ermitteln.
Zusammenfassung
Die korrekte Bilanzierung von Vorräten schützt das Unternehmen vor unrealistischen Gewinnausweisen und hilft bei der internen Steuerung. Hier sind die wichtigsten Punkte auf einen Blick: