Was gehört zum Anlagevermögen? Definition, Beispiele & Checkliste

Was zählt zum Anlagevermögen? Ein umfassender Leitfaden zu Sachanlagen, immateriellen Werten und Finanzanlagen nach HGB – inkl. Rechner und Grafiken.

Das Anlagevermögen bildet das finanzielle Rückgrat vieler Unternehmen. Es umfasst alle Vermögensgegenstände, die dazu bestimmt sind, dem Geschäftsbetrieb dauerhaft zu dienen. Doch in der Praxis ist die Abgrenzung zum Umlaufvermögen oft fließend und buchhalterisch komplex. Was genau gehört dazu? Wie werden diese Werte bilanziert und abgeschrieben?

In diesem Artikel erfahren Sie alles über die drei Hauptsäulen des Anlagevermögens nach HGB, sehen anschauliche Beispiele und können mit unserem integrierten Rechner direkt Abschreibungen simulieren.

Struktur der Bilanz: Wo steht das Anlagevermögen? Eine schematische Darstellung der Bilanz, die das Anlagevermögen auf der Aktivseite hervorhebt. Die Bilanzstruktur Aktiva (Mittelverwendung) A. Anlagevermögen 1. Immaterielle Vermögensgegenstände 2. Sachanlagen 3. Finanzanlagen B. Umlaufvermögen Passiva (Mittelherkunft) Eigenkapital & Fremdkapital

Definition: Was ist Anlagevermögen?

Das Anlagevermögen (AV) umfasst alle Vermögenswerte eines Unternehmens, die dazu bestimmt sind, dem Geschäftsbetrieb dauerhaft zu dienen. Es steht auf der Aktivseite der Bilanz ganz oben, da es in der Regel am schwersten zu liquidieren (zu Geld zu machen) ist.

Die rechtliche Definition findet sich im Handelsgesetzbuch. Laut § 247 Abs. 2 HGB gilt: „Beim Anlagevermögen sind nur die Gegenstände auszuweisen, die bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen.“

Das Schlüsselwort ist hier „Dauerhaftigkeit“. Im Gegensatz zum Umlaufvermögen, das verbraucht oder verkauft wird (z. B. Rohstoffe oder Warenbestände), verbleibt das Anlagevermögen langfristig im Unternehmen, um die betriebliche Infrastruktur zu sichern.

Die drei Säulen des Anlagevermögens

Das HGB unterteilt das Anlagevermögen in drei klare Kategorien. Um Ihre Bilanz korrekt zu erstellen, müssen Sie jeden Vermögensgegenstand einer dieser Gruppen zuordnen.

1. Immaterielle Vermögensgegenstände

Dies sind nicht-physische Werte, die das Unternehmen besitzt. Sie sind oft schwer zu greifen, aber von enormem wirtschaftlichen Wert.

  • Konzessionen & Rechte: Gewerbliche Schutzrechte, Lizenzen an Software, Patente.
  • Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill): Der Mehrwert eines Unternehmens, der über die Substanz hinausgeht (z. B. bei einer Übernahme).
  • Geleistete Anzahlungen: Zahlungen für immaterielle Werte, die noch nicht vollständig geliefert wurden.

2. Sachanlagen

Dies ist meist der größte und bekannteste Teil des Anlagevermögens. Es handelt sich um körperliche Gegenstände.

  • Grundstücke und Bauten: Fabrikhallen, Bürogebäude, unbebaute Grundstücke.
  • Technische Anlagen und Maschinen: Produktionsstraßen, Roboter, Generatoren.
  • Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung (BGA): Büromöbel, Computer, Firmenwagen, Werkzeuge.
  • Anlagen im Bau: Gebäude oder Maschinen, die noch nicht fertiggestellt sind.

3. Finanzanlagen

Hierzu zählen finanzielle Forderungen und Beteiligungen, die langfristig gehalten werden sollen.

  • Anteile an verbundenen Unternehmen: Aktien oder GmbH-Anteile an Tochterfirmen.
  • Beteiligungen: Minderheitsanteile an anderen Firmen, um eine dauerhafte Verbindung herzustellen.
  • Wertpapiere des Anlagevermögens: Festverzinsliche Anleihen oder Aktien, die nicht kurzfristig verkauft werden sollen.

Abgrenzung: Anlagevermögen vs. Umlaufvermögen

Die Unterscheidung ist entscheidend für die Bilanzanalyse. Ein einfacher Test hilft: Soll der Gegenstand verkauft/verbraucht werden (Umlaufvermögen) oder genutzt werden (Anlagevermögen)?

Merkmal Anlagevermögen Umlaufvermögen
Zweck Dauerhafte Nutzung (Gebrauch) Verbrauch oder Verkauf
Verweildauer Langfristig (> 1 Jahr) Kurzfristig (< 1 Jahr)
Beispiel Ein LKW im Fuhrpark Diesel im Tank des LKW

Bewertung und Abschreibung

Da das Anlagevermögen über Jahre genutzt wird, verliert es an Wert (außer Grundstücke und Finanzanlagen). Dieser Wertverlust wird als Abschreibung (AfA) in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung erfasst. Die Anschaffungskosten werden dabei auf die Nutzungsdauer verteilt.

Formel zur linearen Abschreibung:

\[ \text{Jährliche AfA} = \frac{\text{Anschaffungskosten} - \text{Restwert}}{\text{Nutzungsdauer (Jahre)}} \]

Erklärung der Bestandteile:

  • Anschaffungskosten: Kaufpreis + Nebenkosten (Transport, Montage) - Rabatte.
  • Nutzungsdauer: Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle (z. B. PKW = 6 Jahre).

Interaktiver Abschreibungsrechner

Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell die jährliche Abschreibung für ein Wirtschaftsgut zu ermitteln.

Lineare Abschreibung berechnen

Ergebnis:

Jährliche Abschreibung: 0,00

Monatliche Abschreibung: 0,00

Für detaillierte Informationen zur Gründung und Finanzierung empfiehlt sich auch ein Blick auf das Existenzgründungsportal des BMWK.

Zusammenfassung: Was gehört zum Anlagevermögen? Das Anlagevermögen auf einen Blick Immateriell Patente Lizenzen Software Firmenwert Sachanlagen Grundstücke Maschinen Büromöbel PKW / LKW Finanzanlagen Beteiligungen Aktien (langfr.) Ausleihungen Wertpapiere Kriterium: Dauerhafte Nutzung im Geschäftsbetrieb

Häufige Fragen (FAQ)

Gehört ein Laptop zum Anlagevermögen?

Ja, wenn er dauerhaft im Betrieb genutzt wird. Kostet er weniger als 800 € (netto), kann er als Geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) sofort abgeschrieben werden, bleibt aber technisch gesehen Anlagevermögen.

Sind Forderungen Anlagevermögen?

In der Regel gehören Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zum Umlaufvermögen, da sie kurzfristig beglichen werden sollen. Langfristige Ausleihungen zählen jedoch zu den Finanzanlagen.

Was ist das abnutzbare Anlagevermögen?

Dazu gehören Güter, die durch Nutzung an Wert verlieren (Maschinen, Gebäude, Fuhrpark). Nicht abnutzbar sind hingegen Grundstücke und Finanzanlagen.

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