Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es Zeiten gibt, in denen Jobs im Überfluss vorhanden sind und die Gehälter steigen, während in anderen Jahren Unternehmen schließen und Preise stagnieren? Die Antwort liegt in der Konjunktur. Sie ist der Herzschlag unserer Volkswirtschaft – ein ständiges Auf und Ab, das bestimmt, wie wohlhabend wir uns fühlen.
In diesem Artikel erklären wir Ihnen einfach und verständlich, was Konjunktur genau bedeutet, welche vier Phasen jede Wirtschaft durchläuft und wie Experten messen, wo wir gerade stehen.
Definition: Was bedeutet Konjunktur?
Der Begriff Konjunktur beschreibt die regelmäßigen Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität einer Volkswirtschaft. Sie wird meist am realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Vereinfacht gesagt: Die Konjunktur zeigt an, ob es der Wirtschaft gerade gut geht (Wachstum) oder schlecht (Schrumpfung).
Es ist wichtig, zwischen Konjunktur und Wachstumstrend zu unterscheiden. Während der Trend die langfristige Entwicklung über Jahrzehnte zeigt, betrachtet die Konjunktur die mittelfristigen Wellenbewegungen um diesen Trend herum.
Die 4 Phasen des Konjunkturzyklus
Ein vollständiger Konjunkturzyklus dauert in der Regel zwischen 4 und 8 Jahren und besteht aus vier charakteristischen Phasen. Diese wiederholen sich immer wieder, auch wenn ihre Dauer und Intensität variieren können.
1. Aufschwung (Expansion)
Nach einer Krise erholt sich die Wirtschaft. Die Auftragsbücher der Unternehmen füllen sich langsam wieder, die Produktion wird hochgefahren und die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Stimmung ist optimistisch, und die Zinsen sind meist noch niedrig, was Investitionen begünstigt.
2. Hochkonjunktur (Boom)
Die Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Es herrscht Vollbeschäftigung, oft sogar Fachkräftemangel. Löhne und Preise steigen spürbar an (Inflation). Da die Kapazitäten voll ausgelastet sind, droht eine Überhitzung des Marktes. Die Zentralbanken erhöhen oft die Zinsen, um die Inflation zu bremsen.
3. Abschwung (Rezession)
Das Wachstum verlangsamt sich. Die Nachfrage sinkt, Lagerbestände nehmen zu und Unternehmen investieren weniger. Kurzarbeit oder erste Entlassungen können folgen. Technisch spricht man von einer Rezession, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zum Vorquartal schrumpft.
4. Tiefphase (Depression)
Dies ist der Tiefpunkt des Zyklus. Die Wirtschaftstätigkeit ist gering, die Arbeitslosigkeit hoch und die Kapazitäten der Unternehmen sind nicht ausgelastet. Bleibt dieser Zustand über einen langen Zeitraum bestehen, spricht man von einer Depression. Doch genau hier werden oft die Weichen für den nächsten Aufschwung gestellt.
Wie wird Konjunktur gemessen? (Indikatoren)
Um zu wissen, in welcher Phase wir uns befinden, nutzen Ökonomen sogenannte Konjunkturindikatoren. Diese werden vom Statistischen Bundesamt (Destatis) und Wirtschaftsforschungsinstituten erhoben.
- Frühindikatoren: Geben Hinweise auf die zukünftige Entwicklung (z. B. ifo Geschäftsklimaindex, Auftragseingänge, Baugenehmigungen).
- Präsenzindikatoren: Zeigen die aktuelle Lage (z. B. aktuelles BIP, Industrieproduktion).
- Spätindikatoren: Reagieren verzögert auf die Entwicklung (z. B. Arbeitslosenquote, Inflationsrate).
Interaktiver Rechner: BIP-Wachstum
Möchten Sie selbst berechnen, wie stark eine Wirtschaft gewachsen oder geschrumpft ist? Nutzen Sie unseren einfachen Rechner.
Warum schwankt die Wirtschaft überhaupt?
Es gibt viele Gründe für diese Zyklen. Externe Schocks (wie Pandemien oder Ölkrisen), psychologische Faktoren (Optimismus vs. Pessimismus bei Investoren) und geldpolitische Entscheidungen spielen eine Rolle. Der Staat und die Zentralbanken versuchen oft, diese Schwankungen durch Konjunkturpolitik abzufedern – etwa durch Zinssenkungen in der Krise oder Steuererhöhungen im Boom.
Mehr Informationen zur aktuellen Wirtschaftslage finden Sie beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).