Bestandskonten einfach erklärt: Definition & Buchungssätze

Was sind Bestandskonten? Alles über Aktiv- und Passivkonten, Buchungsregeln und den Unterschied zu Erfolgskonten. Inklusive Beispiele & Rechner.

Bestandskonten bilden das Rückgrat der doppelten Buchführung und sind unverzichtbar für jede ordnungsgemäße Bilanzierung. Sie erfassen das tatsächliche Vermögen und die Schulden eines Unternehmens und werden – im Gegensatz zu Erfolgskonten – über das Geschäftsjahr hinaus fortgeführt. In diesem Artikel erfahren Sie genau, wie Sie zwischen Aktiv- und Passivkonten unterscheiden, wie die Buchungsregeln funktionieren und wie Sie den Schlussbestand korrekt ermitteln.

Struktur von Bestandskonten Vergleich von Aktiv- und Passivkonten mit Soll und Haben Buchungslogik. Aktivkonto (Vermögen) Soll (+) Anfangsbestand Zugänge Haben (-) Abgänge Schlussbestand (SBK) Passivkonto (Kapital) Soll (-) Abgänge Schlussbestand (SBK) Haben (+) Anfangsbestand Zugänge Merksatz: Aktivkonten wachsen im Soll, Passivkonten wachsen im Haben.

Was sind Bestandskonten?

Bestandskonten sind Konten der Finanzbuchhaltung, die Bestände an Vermögen und Kapital ausweisen. Sie werden direkt aus der Bilanz abgeleitet. Im Gegensatz zu Erfolgskonten (Aufwands- und Ertragskonten), die am Jahresende über die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) abgeschlossen werden, werden die Salden von Bestandskonten in das nächste Geschäftsjahr übertragen. Man spricht hier von der Bilanzidentität.

Jedes Bestandskonto entspricht einem Posten in der Bilanz. Die Summe aller Bestandskonten muss stets die Bilanzgleichung erfüllen. Für eine vertiefende Definition empfiehlt sich ein Blick in das Gabler Wirtschaftslexikon, welches die handelsrechtlichen Grundlagen detailliert erläutert.

Die zwei Arten von Bestandskonten

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Kategorien, die sich spiegelbildlich verhalten:

1. Aktivkonten (Mittelverwendung)

Aktivkonten stehen auf der linken Seite der Bilanz (Aktiva). Sie repräsentieren das Vermögen des Unternehmens. Dazu gehören:

  • Anlagevermögen: Maschinen, Fuhrpark, Gebäude, Lizenzen.
  • Umlaufvermögen: Kasse, Bankguthaben, Forderungen, Vorräte.

2. Passivkonten (Mittelherkunft)

Passivkonten stehen auf der rechten Seite der Bilanz (Passiva). Sie zeigen, wie das Vermögen finanziert wurde, also das Kapital. Dazu zählen:

  • Eigenkapital: Stammkapital, Rücklagen.
  • Fremdkapital: Verbindlichkeiten aus L.L., Bankdarlehen.

Buchungsregeln: Soll und Haben

Das Verständnis der Buchungsregeln ist essenziell. Die Logik hängt davon ab, ob es sich um ein Aktiv- oder Passivkonto handelt. Ein häufiger Fehler bei Anfängern ist die Verwechslung der Mehrungs- und Minderungsseiten.

Die Goldene Regel der Bestandskonten:

  • Aktivkonten: Anfangsbestand und Zugänge im Soll, Abgänge und Schlussbestand im Haben.
  • Passivkonten: Anfangsbestand und Zugänge im Haben, Abgänge und Schlussbestand im Soll.

Formel zur Berechnung des Schlussbestands (SB):

Diese Grundgleichung gilt für die Ermittlung des Saldos am Ende der Periode.

[ SB = AB + sum Z - sum A ]

Erklärung der Bestandteile:

  • (SB): Schlussbestand (Saldo)
  • (AB): Anfangsbestand (Übertrag aus Vorjahr)
  • (sum Z): Summe der Zugänge
  • (sum A): Summe der Abgänge

Interaktiver Bestandskonten-Rechner

Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell den Schlussbestand eines T-Kontos zu ermitteln oder zu überprüfen, ob Ihre Buchungen aufgehen.

Schlussbestand ermitteln

Unterschied zwischen Bestandskonten und Erfolgskonten

Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Bestands- und Erfolgskonten. Hier sind die wesentlichen Unterschiede:

  • Bestandskonten: Erfassen Bestände (Vermögen/Schulden). Sie werden über das Schlussbilanzkonto (SBK) abgeschlossen. Ihr Saldo wird ins neue Jahr vorgetragen.
  • Erfolgskonten: Erfassen Aufwände und Erträge (z.B. Mietaufwand, Umsatzerlöse). Sie beeinflussen den Gewinn und werden über das Gewinn- und Verlustkonto (GuV) abgeschlossen. Sie starten jedes Jahr bei Null.

Der Abschluss von Bestandskonten

Am Ende des Geschäftsjahres müssen alle Bestandskonten abgeschlossen werden. Dies geschieht, indem der Saldo (Schlussbestand) auf die Seite gebucht wird, die wertmäßig kleiner ist, um das Konto auszugleichen. Die Gegenbuchung erfolgt auf das Schlussbilanzkonto (SBK).

Für detaillierte gesetzliche Vorschriften zum Jahresabschluss lohnt sich ein Blick in das Handelsgesetzbuch (HGB), insbesondere die §§ 242 ff.

Der Kreislauf der Bestandskonten Der Lebenszyklus eines Bestandskontos 1. Eröffnung Eröffnungsbilanzkonto (EBK) an Konto 2. Laufende Buchungen Geschäftsvorfälle Soll an Haben 3. Abschluss Saldo ermitteln Buchung an SBK Wichtiges Merkmal: Bilanzidentität Der Schlussbestand des alten Jahres ist automatisch der Anfangsbestand des neuen Jahres.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das Bankkonto aktiv oder passiv?

Das Bankkonto ist in der Regel ein Aktivkonto, da es Guthaben (Vermögen) ausweist. Rutscht das Konto jedoch ins Minus (Dispokredit), wird es in der Bilanz als Verbindlichkeit gegenüber Kreditinstituten (Passivseite) ausgewiesen.

Was passiert, wenn ein Bestandskonto nicht ausgeglichen ist?

Bestandskonten werden nicht "ausgeglichen" wie Erfolgskonten, sondern ihr Saldo wird als Schlussbestand in die Bilanz übernommen. Wenn die Summe aller Soll- und Haben-Salden in der Bilanz nicht gleich ist, liegt ein Buchungsfehler vor.

Werden Bestandskonten über die GuV abgeschlossen?

Nein. Bestandskonten werden über das Schlussbilanzkonto (SBK) abgeschlossen. Nur Erfolgskonten (Aufwand/Ertrag) werden über die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) abgeschlossen.

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