Wer im Einkauf oder in der Buchhaltung tätig ist, weiß: Der Preis auf dem Preisschild ist selten der Preis, der am Ende in den Büchern steht. Zwischen dem Listeneinkaufspreis und dem tatsächlichen Wert der Ware im Lager liegen die sogenannten Bezugsnebenkosten. Diese oft unterschätzten Kostenfaktoren können die Marge erheblich beeinflussen und sind steuerrechtlich von großer Bedeutung. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Bezugskosten korrekt identifizieren, berechnen und gemäß HGB verbuchen.
Was sind Bezugsnebenkosten? (Definition)
Bezugsnebenkosten (auch Anschaffungsnebenkosten genannt) sind alle Aufwendungen, die zusätzlich zum Kaufpreis einer Ware anfallen, um diese in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen oder an den Bestimmungsort zu bringen. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Materialwirtschaft und der Buchhaltung.
Im Gegensatz zu den allgemeinen Gemeinkosten (wie Lagerhaltungskosten) können Bezugsnebenkosten direkt einer bestimmten Warenlieferung zugeordnet werden. Nach § 255 Abs. 1 HGB sind diese Kosten aktivierungspflichtig. Das bedeutet, sie erhöhen den Wert des Umlaufvermögens in der Bilanz und dürfen nicht sofort als Aufwand verbucht werden.
Typische Beispiele für Bezugsnebenkosten
Die häufigsten Arten von Nebenkosten im Einkauf lassen sich in folgende Kategorien unterteilen:
- Transportkosten: Frachtgebühren (LKW, Bahn, Schiff, Flugzeug), Rollgeld, Porto.
- Verpackungskosten: Leihverpackungen, Spezialverpackungen oder Palettengebühren, die vom Lieferanten in Rechnung gestellt werden.
- Versicherung: Transportversicherungen für den Weg vom Lieferanten zum eigenen Lager.
- Zölle und Einfuhrabgaben: Bei Importen aus Drittländern anfallende Zölle, Verbrauchsteuern und Abfertigungsgebühren.
- Vermittlungsgebühren: Provisionen für Einkaufsagenten oder Makler.
Berechnung: Vom Listeneinkaufspreis zum Einstandspreis
Um die Wirtschaftlichkeit eines Einkaufs zu bewerten und den korrekten Verkaufspreis zu kalkulieren (Handelskalkulation), müssen Sie den sogenannten Einstandspreis (Bezugspreis) ermitteln. Hierbei werden Preisminderungen abgezogen und Bezugsnebenkosten addiert.
Beispielrechnung
Ein Unternehmen kauft Rohstoffe für 10.000 € (netto). Der Lieferant gewährt 10 % Rabatt. Bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen können 2 % Skonto gezogen werden. Die Spedition berechnet 500 € Frachtkosten.
- Listeneinkaufspreis: 10.000 €
- - 10 % Rabatt (1.000 €): = 9.000 € (Zieleinkaufspreis)
- - 2 % Skonto (180 €): = 8.820 € (Bareinkaufspreis)
- + Bezugsnebenkosten (500 €): = 9.320 € (Einstandspreis)
Hinweis: Ob Skonto auch auf die Bezugsnebenkosten gezogen werden darf, hängt davon ab, ob diese vom Lieferanten auf derselben skontierfähigen Rechnung ausgewiesen sind.
Interaktiver Bezugskosten-Rechner
Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell den tatsächlichen Einstandspreis Ihrer Ware zu ermitteln.
Bezugsnebenkosten buchen (SKR03 / SKR04)
In der Buchhaltung werden Bezugsnebenkosten auf speziellen Unterkonten des Wareneingangskontos erfasst. Am Jahresende oder beim Periodenabschluss werden diese Konten über das Wareneingangskonto abgeschlossen. Dies sorgt für Transparenz und ermöglicht eine saubere Trennung von Warenwert und Beschaffungskosten.
Beispielbuchung (Eingangsrechnung mit Fracht):
Wir kaufen Rohstoffe für 5.000 € netto + 200 € Frachtkosten + 19 % Umsatzsteuer.
- SKR03: Wareneingang (3200) 5.000 € + Bezugsnebenkosten (3800) 200 € + Vorsteuer (1576) 988 € an Verbindlichkeiten a.LL. (1600) 6.188 €
- SKR04: Wareneingang (5200) 5.000 € + Bezugsnebenkosten (5800) 200 € + Vorsteuer (1406) 988 € an Verbindlichkeiten a.LL. (3300) 6.188 €
Wichtig ist, dass die Bezugsnebenkosten am Ende dem Materialaufwand oder dem Lagerbestand zugeschlagen werden, um den korrekten Vermögenswert auszuweisen.
Häufige Fragen (FAQ)
Gehört die Umsatzsteuer zu den Bezugsnebenkosten?
Nein. Die abziehbare Vorsteuer ist ein Durchlaufposten und gehört weder zu den Anschaffungskosten noch zu den Bezugsnebenkosten. Nur wenn das Unternehmen nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist (z.B. Kleinunternehmer), zählt die Brutto-Steuer zu den Kosten.
Was ist der Unterschied zwischen Bezugskosten und Bezugsnebenkosten?
Die Begriffe werden in der Praxis oft synonym verwendet. Streng genommen ist der "Bezugspreis" das Ergebnis (Einstandspreis), während "Bezugsnebenkosten" die einzelnen Kostenarten (Fracht, Zoll) sind, die dazu führen.
Sind Zölle Bezugsnebenkosten?
Ja, Zölle und Einfuhrabgaben sind klassische Anschaffungsnebenkosten, da sie notwendig sind, um die Ware in das Inland zu verbringen und verfügbar zu machen.