Die Wahl der richtigen Abschreibungsmethode ist für Unternehmen weit mehr als nur eine steuerliche Pflichtübung – sie ist ein aktives Instrument zur Liquiditätssteuerung. Die degressive Abschreibung ermöglicht es, Investitionskosten in den ersten Jahren stärker steuerlich geltend zu machen als gegen Ende der Nutzungsdauer. Dies führt zu einer Steuerstundung und schont die Liquidität genau dann, wenn die Anschaffungskosten am meisten schmerzen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Formel funktioniert, wann sich der Wechsel zur linearen Abschreibung lohnt und wie Sie mit unserem interaktiven Rechner Ihren Abschreibungsplan in Sekunden erstellen.
Was ist die degressive Abschreibung?
Bei der degressiven Abschreibung (Absetzung für Abnutzung) werden die Anschaffungskosten eines Wirtschaftsguts nicht gleichmäßig über die Jahre verteilt (wie bei der linearen Abschreibung), sondern anhand eines festen Prozentsatzes vom jeweiligen Restbuchwert berechnet. Das bedeutet, dass die Abschreibungsbeträge in den ersten Jahren am höchsten sind und im Laufe der Zeit kontinuierlich sinken.
Diese Methode spiegelt den tatsächlichen Wertverlust vieler Wirtschaftsgüter (z. B. Fahrzeuge oder IT-Hardware) oft realistischer wider, da diese zu Beginn ihrer Nutzung am stärksten an Wert verlieren. Steuerrechtlich ist sie besonders interessant, da sie Gewinne in die Zukunft verlagert.
Die Formel zur Berechnung
Die Berechnung basiert auf dem Restbuchwert des Vorjahres. Der Prozentsatz bleibt dabei konstant, aber die Basis (der Wert des Gutes) verringert sich jährlich.
Beispielrechnung: Degressive Abschreibung in der Praxis
Nehmen wir an, Sie kaufen eine Maschine für 100.000 €. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer beträgt 10 Jahre. Der lineare Abschreibungssatz wäre somit 10 % (100.000 € / 10 Jahre). Angenommen, das Steuerrecht erlaubt aktuell den 2,5-fachen Satz, jedoch maximal 25 %. Der degressive Satz beträgt also 25 %.
| Jahr | Buchwert Jahresbeginn | Abschreibung (25%) | Buchwert Jahresende |
|---|---|---|---|
| 1 | 100.000,00 € | 25.000,00 € | 75.000,00 € |
| 2 | 75.000,00 € | 18.750,00 € | 56.250,00 € |
| 3 | 56.250,00 € | 14.062,50 € | 42.187,50 € |
Wie Sie sehen, sinkt der Abschreibungsbetrag von Jahr zu Jahr. Im ersten Jahr können Sie 25.000 € als Aufwand verbuchen, im dritten Jahr nur noch ca. 14.000 €.
Der optimale Wechsel zur linearen Abschreibung
Da der Buchwert bei der degressiven Methode mathematisch nie auf Null sinkt, erlaubt das Steuerrecht (§ 7 Abs. 1 EStG) den Wechsel zur linearen Abschreibung. Dieser Wechsel ist optional, aber steuerlich fast immer sinnvoll.
In unserem Beispiel oben würde dieser Punkt etwa im 7. oder 8. Jahr erreicht werden. Ab diesem Zeitpunkt wird der Restwert durch die verbleibenden Jahre geteilt und als konstanter Betrag abgeschrieben, bis der Wert 0 € (bzw. 1 € Erinnerungswert) erreicht ist.
Interaktiver Abschreibungsrechner (Degressiv & Linear)
Nutzen Sie diesen Rechner, um Ihren individuellen Abschreibungsplan zu erstellen. Das Tool berechnet automatisch den optimalen Wechselzeitpunkt.
Aktuelle Rechtslage: Wachstumschancengesetz
Die degressive Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter wurde in Deutschland mehrfach ausgesetzt und wieder eingeführt, um Investitionsanreize zu schaffen. Im Rahmen des Wachstumschancengesetzes wurde die degressive AfA für Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.03.2024 und vor dem 01.01.2025 angeschafft wurden, erneut temporär zugelassen.
Dabei gelten oft spezifische Obergrenzen, wie zum Beispiel das 2-fache oder 2,5-fache der linearen Abschreibung, gedeckelt auf maximal 20 % oder 25 %. Prüfen Sie stets die aktuellen Veröffentlichungen des Bundesfinanzministeriums (BMF) oder konsultieren Sie Ihren Steuerberater für die exakten Stichtage.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann lohnt sich die degressive Abschreibung?
Sie lohnt sich besonders, wenn Sie in den ersten Jahren nach der Anschaffung hohe Gewinne erwarten und diese steuerlich mindern möchten, um Liquidität im Unternehmen zu halten.
Kann ich für gebrauchte Güter degressiv abschreiben?
Ja, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen (bewegliches Wirtschaftsgut, Anlagevermögen) erfüllt sind und die aktuelle Gesetzeslage dies für den Anschaffungszeitraum zulässt.
Wo finde ich die Nutzungsdauer für mein Wirtschaftsgut?
Die Nutzungsdauer wird in den offiziellen AfA-Tabellen des Bundesfinanzministeriums geregelt. Für einen PKW beträgt sie beispielsweise oft 6 Jahre, für Laptops 3 Jahre (bzw. Sofortabschreibung je nach Regelung).
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine steuerliche Beratung. Gesetze können sich ändern. Bitte konsultieren Sie für verbindliche Auskünfte einen Steuerberater.