Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Benzinpreise an fast allen Tankstellen gleichzeitig steigen oder warum es nur eine Handvoll großer Mobilfunkanbieter gibt? Willkommen in der Welt des Oligopols. In dieser Marktform stehen wenigen großen Anbietern viele Kunden gegenüber – eine Konstellation, die unseren wirtschaftlichen Alltag stärker prägt, als wir oft vermuten.
In diesem Artikel erfahren Sie nicht nur die genaue Definition und die wichtigsten Merkmale, sondern lernen anhand von 5 konkreten Oligopol-Beispielen, wie diese Marktform funktioniert. Zudem bieten wir Ihnen einen interaktiven Rechner zur Messung von Marktmacht an.
Was ist ein Oligopol? (Definition)
Der Begriff Oligopol stammt aus dem Griechischen („oligos“ = wenige, „polein“ = verkaufen). Er bezeichnet eine Marktform, bei der sich wenige Anbieter den Markt teilen und einer Vielzahl von Nachfragern gegenüberstehen. Man spricht hierbei oft von einem „Angebotsoligopol“.
Das entscheidende Merkmal ist die Reaktionsverbundenheit: Da es nur wenige Konkurrenten gibt, hat jede Preisänderung oder Marketingaktion eines Anbieters direkte Auswirkungen auf die anderen. Die Unternehmen beobachten sich gegenseitig sehr genau.
Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick
- Wenige Anbieter: Der Markt wird von einer kleinen Zahl großer Unternehmen dominiert.
- Hohe Markteintrittsbarrieren: Für neue Konkurrenten ist es schwer, in den Markt einzudringen (z. B. durch hohe Investitionskosten oder Patente).
- Strategische Interdependenz: Aktionen von Unternehmen A zwingen Unternehmen B zu einer Reaktion (z. B. Preissenkungen).
- Preisstarrheit: Oft bleiben Preise lange stabil, da niemand einen Preiskampf riskieren möchte.
5 klare Oligopol Beispiele aus dem Alltag
Oligopole sind in modernen Volkswirtschaften weit verbreitet. Hier sind fünf klassische Beispiele, die fast jeder kennt:
1. Mobilfunkanbieter
In Deutschland und vielen anderen Ländern gibt es nur wenige Netzbetreiber, die über eine eigene Infrastruktur verfügen (z. B. Telekom, Vodafone, O2/Telefónica). Millionen von Handynutzern sind auf diese wenigen Anbieter angewiesen. Die Tarife ähneln sich oft stark, da der Wettbewerb überschaubar ist.
2. Tankstellen & Mineralölkonzerne
Der Markt für Kraftstoffe wird von wenigen großen Mineralölkonzernen (wie Aral, Shell, Total, Esso) beherrscht. Wenn eine Tankstelle den Preis erhöht oder senkt, ziehen die anderen meist innerhalb von Minuten nach. Dies ist ein Paradebeispiel für die hohe Reaktionsverbundenheit im Oligopol.
3. Flugzeugbau (Duopol)
Ein Extremfall des Oligopols ist das Duopol, bei dem es nur zwei dominante Anbieter gibt. Im Markt für große Verkehrsflugzeuge teilen sich Airbus und Boeing fast den gesamten Weltmarkt. Fluggesellschaften haben kaum Alternativen, wenn sie Großraumjets kaufen möchten.
4. Lebensmitteleinzelhandel
In Deutschland teilen sich vier große Gruppen (Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe mit Lidl/Kaufland, Aldi) über 85% des Marktes. Diese Konzentration gibt ihnen enorme Macht gegenüber Lieferanten und Landwirten – ein klassisches Zeichen für ein starkes Oligopol.
5. Streaming-Dienste
Der Markt für Video-Streaming hat sich zu einem Oligopol entwickelt, dominiert von Giganten wie Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und Apple TV+. Neue Anbieter haben es extrem schwer, ohne riesige Budgets für Eigenproduktionen Fuß zu fassen.
Mathematische Messung von Marktmacht
Um festzustellen, ob ein Markt ein Oligopol ist, nutzen Ökonomen oft den Herfindahl-Hirschman-Index (HHI). Dieser misst die Konzentration in einem Markt.
Interaktiver HHI-Rechner
Geben Sie die Marktanteile der größten Unternehmen ein, um die Marktkonzentration zu berechnen.
Vor- und Nachteile für Verbraucher
Ein Oligopol ist nicht per se schlecht, birgt aber Risiken. Hier eine Gegenüberstellung:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ✅ Qualitätssicherung: Große Anbieter haben oft hohe Standards und Ressourcen für Forschung. | ❌ Preisabsprachen: Gefahr illegaler Kartelle zum Nachteil der Kunden. |
| ✅ Preisstabilität: Preise schwanken seltener als in stark fragmentierten Märkten. | ❌ Weniger Innovation: Fehlender Wettbewerbsdruck kann Innovationen bremsen. |
| ✅ Vergleichbarkeit: Wenige Anbieter machen den Markt übersichtlich. | ❌ Eingeschränkte Auswahl: Kunden haben kaum Alternativen, wenn sie unzufrieden sind. |
Fazit
Das Oligopol ist eine der häufigsten Marktformen in unserer Wirtschaft. Während es durch Skaleneffekte effizient sein kann, erfordert es eine starke staatliche Kontrolle, um den Wettbewerb zu schützen. Für Sie als Verbraucher lohnt es sich, die Preise in diesen Märkten genau zu vergleichen, da die Anbieter oft versuchen, sich eher über Marketing als über den Preis zu differenzieren.
Für tiefergehende Informationen zur Wirtschaftspolitik und Marktregulierung empfehlen wir die Angebote der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Monopol und Oligopol?
Im Monopol gibt es nur einen einzigen Anbieter, der den Preis diktieren kann. Im Oligopol gibt es wenige Anbieter, die in starker Abhängigkeit voneinander stehen.
Ist ein Oligopol verboten?
Nein, die Marktform an sich ist nicht verboten und oft unvermeidbar (z. B. bei hohen Infrastrukturkosten). Verboten sind jedoch Preisabsprachen zwischen den Oligopolisten (Kartellbildung).