Ein Trading Journal in Excel (Deutsch) ist oft der schnellste Weg, um aus „gefühlt gut“ messbar besser zu werden: Du erkennst Muster, wiederholst funktionierende Setups und stoppst teure Fehler früh. Excel ist dafür ideal, weil du die Struktur selbst bestimmst und Auswertungen (Pivot, Diagramme) direkt daneben bauen kannst. In diesem Beitrag bekommst du eine praxistaugliche Vorlage-Struktur, die wichtigsten Spalten, bewährte Excel-Formeln und eine kleine Kennzahlen-Auswertung.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Trading ist riskant; dokumentiere realistisch und prüfe deine Risiken konsequent.
Was ein Trading Journal in Excel leisten sollte (und was nicht)
Das Ziel ist nicht, jede Kleinigkeit zu speichern – sondern entscheidungsrelevante Daten konsistent zu erfassen. Ein gutes Excel-Journal beantwortet dir z. B.:
- Welche Setups funktionieren wirklich (nicht nur „gefühlt“)?
- Verlierst du Geld wegen Marktbedingungen oder wegen Regelbrüchen?
- Wie stabil sind deine Ergebnisse (z. B. über Monate/Quartale)?
- Welche Kennzahlen verbessern sich, wenn du nur eine Änderung testest?
Nicht sinnvoll ist ein Journal, das dich nach jedem Trade 10 Minuten in Administration zieht. Plane daher bewusst: Pflichtfelder vs. Nice-to-have.
Excel-Setup: Blattstruktur, die sich bewährt
Empfohlene Arbeitsblätter
- Trades (Haupttabelle): jede Zeile = ein Trade (oder ein geschlossenes Teil-Trade-Paket).
- Listen: Dropdown-Werte (Setups, Assets, Fehlercodes, Marktphase).
- Dashboard: Pivot-Tabellen, Diagramme, KPIs, Equity-Kurve.
Pro-Tipp: Excel-Tabellenformat nutzen
Markiere die Trade-Tabelle und nutze Als Tabelle formatieren. Vorteil: strukturierte Verweise (z. B. [@Entry]), automatische Ausdehnung und bessere Pivot-Quellen.
Trading Journal Excel: Pflicht-Spalten (deutsche Vorlage)
Die folgende Struktur ist bewusst schlank, aber auswertbar. Du kannst sie 1:1 als Spaltenüberschriften in Excel übernehmen.
Minimal-Set (damit Auswertung möglich ist):
- Datum, Uhrzeit
- Asset/Symbol, Markt (z. B. Aktie, Forex, Krypto)
- Richtung (Long/Short)
- Setup/Strategie
- Entry, Stop, Exit
- Positionsgröße, Gebühren
- Gewinn/Verlust (€) und/oder R-Multiple
- Regel eingehalten? (Ja/Nein) + Fehlercode
Beispiel: Spaltenliste mit kurzer Erklärung
| Spalte | Wozu? | Beispiel |
|---|---|---|
| Datum | Zeitliche Auswertung (Monate/Wochentage). | 20.01.2026 |
| Symbol | Welche Märkte funktionieren für dich? | DAX, EURUSD, AAPL |
| Richtung | Long/Short getrennt auswerten. | Long |
| Setup | Wichtigster Hebel: pro Setup messen. | Breakout, Pullback |
| Entry / Stop / Exit | Basis für Risiko, P&L, R-Multiple. | Entry 100 / Stop 98 / Exit 104 |
| Positionsgröße | P&L in € korrekt berechnen. | 50 Stück |
| Gebühren | Viele Journale unterschätzen Fees/Slippage. | 2,50 € |
| Regel eingehalten? | Unterscheidet „System“ von „Disziplin“. | Ja |
Wenn du mit stark gehebelten Produkten handelst (z. B. CFDs), lies die regulatorischen Risikohinweise, um dein Risikomanagement realistisch einzuordnen: BaFin-Informationen zu CFDs und Verlustrisiken.
Excel-Formeln für P&L, Risiko und R-Multiple (Deutsch)
Die konkreten Formeln hängen davon ab, ob du Long oder Short tradest. Am einfachsten ist es, die Richtung in einer Spalte Richtung zu speichern und mit WENN() zu arbeiten.
1) Gewinn/Verlust (P&L) in € (vereinfachtes Beispiel)
Spaltenannahmen (Tabellenformat): Entry, Exit, Positionsgröße, Gebühren, Richtung.
=WENN([@Richtung]="Long"; ([@Exit]-[@Entry])*[@Positionsgröße]-[@Gebühren]; ([@Entry]-[@Exit])*[@Positionsgröße]-[@Gebühren] )
2) Risiko pro Trade in €
Das Journal wird deutlich besser, wenn du pro Trade einheitlich ein definiertes Risiko dokumentierst. Eine einfache Näherung:
=ABS([@Entry]-[@Stop])*[@Positionsgröße]
Optional addierst du Gebühren/Slippage, wenn du es konservativer willst.
3) R-Multiple (P&L relativ zum Risiko)
R-Multiples machen Trades vergleichbar – unabhängig von Kontogröße oder Positionsgröße.
=[@P&L_EUR]/[@Risiko_EUR]
Wichtige Kennzahl: Erwartungswert (Expectancy) pro Trade
Mini-Rechner: Expectancy, Profit-Faktor & Break-even
Du kannst die folgenden Kennzahlen direkt aus deinem Excel-Journal ableiten. Wenn du sie kurz gegenprüfen willst, nutze den Rechner. Gib die Werte entweder in € oder in R ein – aber bleib konsistent.
Kennzahlen aus deinem Trading Journal
Beispiel: 45 bedeutet 45% Gewinner-Trades.
Als positiver Wert (z. B. 1,4R).
Als positiver Betrag (z. B. 1,0R).
Je größer die Stichprobe, desto belastbarer die Aussage.
Expectancy pro Trade
–
Profit-Faktor (PF)
–
Break-even Trefferquote
–
Interpretation: Expectancy > 0 bedeutet statistischer Vorteil. PF > 1 ist grundsätzlich positiv, aber Varianz und Drawdown bleiben entscheidend.
Auswertung in Excel: Dashboard-Ideen, die wirklich helfen
1) Pivot-Report pro Setup
- Zeilen: Setup
- Werte: Anzahl Trades, Summe P&L, Durchschnitt R, Trefferquote (als berechnetes Feld oder extra Kennzahl)
- Filter: Zeitraum, Asset, Long/Short, „Regel eingehalten?“
2) Equity-Kurve + Drawdown
Lege eine Spalte Kontostand/EQ an, die kumuliert: =VORHERIGE_EQ + [@P&L_EUR]. Daraus kannst du eine Equity-Kurve erstellen. Für Drawdown brauchst du zusätzlich ein laufendes Hoch (Running Max) – das ist ein eigener Mini-Block, lohnt sich aber.
3) Fehleranalyse statt „mehr Trades“
Wenn du „Regel eingehalten?“ und einen Fehlercode erfasst (z. B. zu früh raus, kein Stop, Overtrading), kannst du schnell sehen, was dich wirklich Geld kostet. Genau das ist der Vorteil eines Journals gegenüber reinen Broker-Statements.
Kurz-Zusammenfassung: So sieht ein gutes Excel-Trading-Journal aus
Typische Fehler in Excel-Trading-Journals (und wie du sie vermeidest)
- Zu viele Felder: Du pflegst das Journal nicht mehr regelmäßig. Lösung: Pflichtfelder + optionaler „Notizen“-Block.
- Keine Datenvalidierung: Schreibweisen variieren (z. B. „breakout“, „Break Out“, „BO“) und Pivot-Auswertungen werden unbrauchbar. Lösung: Dropdowns.
- P&L ohne Kontext: Du weißt nicht, warum du gewinnst/verlierst. Lösung: Setup, Marktphase, Regelbruch, Screenshot-Link.
- Kein Risiko pro Trade: Ergebnisse sind schwer vergleichbar. Lösung: Risiko in € oder R konsequent erfassen.
Gerade bei gehebelten Produkten hilft es, die Risiken nüchtern einzuordnen (und im Journal zu berücksichtigen), z. B. über diese ESMA-Erklärung: ESMA Investor Corner: What are CFDs?
FAQ: Trading Journal Excel (Deutsch)
Gibt es eine kostenlose Trading Journal Excel Vorlage auf Deutsch?
Ja – du kannst dir mit den oben genannten Pflicht-Spalten in wenigen Minuten eine eigene Vorlage bauen. Der Vorteil: Du passt Setups, Fehlercodes und Kennzahlen an deinen Trading-Stil an.
Sollte ich P&L in € oder in R dokumentieren?
Am besten beides: € für die Realität (Kontostand) und R für die Vergleichbarkeit zwischen Trades. Wenn du nur eine Variante willst, nimm R – das fokussiert dich auf Risiko statt auf Positionsgröße.
Wie oft sollte ich mein Journal auswerten?
Kurz nach jedem Trade (2–3 Minuten) und ein wöchentliches Review (30–60 Minuten). Monatlich/Quartalsweise lohnt sich zusätzlich ein Setup-Report.
Was ist die wichtigste Kennzahl?
Praktisch bewährt: Expectancy (Erwartungswert) zusammen mit Drawdown und „Regel eingehalten?“. Viele Systeme sehen gut aus, bis du Regelbrüche herausrechnest.
Fazit: Dein Excel-Journal als Lernmaschine
Ein gutes Trading Journal in Excel (Deutsch) besteht aus: sauberer Tabelle, klaren Dropdowns, wenigen aber starken Kennzahlen (R, Trefferquote, Expectancy) und einer festen Review-Routine. Wenn du es so aufsetzt, kannst du nach wenigen Wochen konkret sagen, welche Setups tragen – und welche Fehler du abstellst, um sofort Geld zu sparen.