Value Spread einfach erklärt: Definition, Berechnung & Bedeutung

Was ist der Value Spread? Erfahren Sie, wie die Bewertungsdifferenz zwischen Value- und Growth-Aktien berechnet wird und was sie für Ihre Rendite bedeutet.

Beim Investieren an der Börse dreht sich alles um den Preis, den man für zukünftige Gewinne zahlt. Doch wie stellt man fest, ob günstige Aktien im historischen Vergleich wirklich günstig sind? Hier kommt der Value Spread ins Spiel. Diese entscheidende Kennzahl hilft professionellen Investoren und Portfoliomanagern dabei, die relative Attraktivität von Value-Aktien gegenüber Growth-Aktien zu bewerten. In diesem Artikel erklären wir auf Deutsch, was der Value Spread ist, wie er berechnet wird und warum er ein mächtiges Werkzeug für Ihre Anlagestrategie sein kann.

Visualisierung des Value Spreads Bewertung (z.B. KGV) Zeit Growth-Aktien Value-Aktien Value Spread

Was ist der Value Spread?

Der Begriff Value Spread (auf Deutsch: Bewertungsdifferenz oder Wertspanne) beschreibt den Abstand in der Bewertung zwischen den teuersten Aktien (Growth) und den günstigsten Aktien (Value) innerhalb eines bestimmten Marktes oder Index. Er misst, wie viel Aufschlag Investoren bereit sind, für wachstumsstarke Unternehmen im Vergleich zu substanzstarken, aber langsamer wachsenden Unternehmen zu zahlen.

In der Praxis sortieren Analysten dafür alle Aktien eines Marktes nach einer Bewertungskennzahl, wie etwa dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Anschließend vergleichen sie die durchschnittliche Bewertung des obersten Quintils (die teuersten 20 Prozent) mit der des untersten Quintils (die günstigsten 20 Prozent).

Die Berechnung des Value Spreads

Die Berechnung kann auf verschiedene Arten erfolgen, meistens wird jedoch das Verhältnis (Ratio) der Bewertungsmultiples gebildet. Dies ermöglicht einen historischen Vergleich, unabhängig vom absoluten Bewertungsniveau des Gesamtmarktes.

Die mathematische Formel für den Value Spread:

\[ \text{Value Spread} = \frac{ \text{Median}(M_{ \text{Growth}})}{ \text{Median}(M_{ \text{Value}})} \]

Erklärung der Komponenten:

  • \( M_{ \text{Growth}} \): Das Bewertungsmultiple (z. B. KBV oder KGV) der teuersten Aktien im Markt.
  • \( M_{ \text{Value}} \): Das Bewertungsmultiple der günstigsten Aktien im Markt.
  • \( \text{Median} \): Der mittlere Wert wird verwendet, um Verzerrungen durch extreme Ausreißer zu verhindern.

Warum der Value Spread für Investoren entscheidend ist

Der Value Spread ist nicht nur eine theoretische Kennzahl, sondern ein praktischer Indikator für zukünftige Renditeerwartungen. Er basiert auf dem Prinzip der Mean Reversion (Rückkehr zum Mittelwert). Historisch gesehen tendieren extreme Bewertungsdifferenzen dazu, sich im Laufe der Zeit wieder anzugleichen.

  • Weiter Spread: Wenn der Spread historisch weit ist, bedeutet das, dass Value-Aktien im Vergleich zu Growth-Aktien extrem günstig sind. Dies war oft ein starkes Kaufsignal für Value-Investing-Strategien, da die Wahrscheinlichkeit einer Outperformance von Value-Aktien in den Folgejahren hoch ist.
  • Enger Spread: Ist der Spread eng, sind Value-Aktien relativ teuer. In solchen Phasen haben Growth-Aktien oft bessere Chancen, den Markt zu schlagen, oder der Markt bewegt sich insgesamt im Gleichschritt.
Value Spread Phasen im Vergleich Enger Spread < 2x Geringe Bewertungsdifferenz Oft in späten Value-Rallyes Weiter Spread > 4x Hohe Bewertungsdifferenz Historisches Kaufsignal für Value Fazit: Je weiter der Spread, desto höher die erwartete Outperformance von Value.

Interaktiver Value Spread Rechner

Nutzen Sie unseren Rechner, um ein Gefühl für die aktuelle Bewertungsdifferenz zu bekommen. Geben Sie die durchschnittlichen Multiples (z. B. KGV) für Growth- und Value-Indizes ein.

Value Spread Kalkulator

Berechnen Sie das aktuelle Bewertungsverhältnis zwischen Growth- und Value-Segmenten.

Aktueller Value Spread (Faktor):
3.50x

Ein Faktor über 3 deutet historisch auf einen weiten Spread hin. Value-Aktien sind relativ günstig.

Historische Beispiele: Dotcom-Blase und die 2020er Jahre

Um die Macht des Value Spreads zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Führende quantitative Investmentfirmen wie AQR Capital Management weisen regelmäßig auf die Bedeutung dieser Kennzahl hin.

Während der Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre erreichte der Value Spread historische Höchststände. Investoren zahlten astronomische Preise für Technologieaktien, während solide Industrieunternehmen ignoriert wurden. Als die Blase platzte, folgte eine jahrelange Phase, in der Value-Aktien den Markt deutlich übertrafen (Outperformance).

Ein ähnliches Phänomen war in den frühen 2020er Jahren zu beobachten. Angetrieben durch niedrige Zinsen und den Tech-Boom stiegen die Bewertungen von Growth-Aktien rasant an. Der Value Spread erreichte Niveaus, die mit der Dotcom-Ära vergleichbar waren, was viele Experten als Vorboten für ein Comeback des Value-Investings sahen.

Fazit

Der Value Spread ist ein unverzichtbares Instrument für Anleger, die zyklische Über- und Untertreibungen am Aktienmarkt identifizieren möchten. Er liefert zwar kein exaktes Timing-Signal für den morgigen Tag, bietet aber eine robuste statistische Grundlage, um die langfristigen Renditeerwartungen von Value- gegenüber Growth-Aktien einzuschätzen. Wer den Spread im Auge behält, vermeidet es, in Phasen extremer Euphorie zu viel für Wachstum zu bezahlen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist ein hoher Value Spread gut oder schlecht?

Ein hoher Value Spread ist grundsätzlich eine gute Nachricht für Value-Investoren. Er signalisiert, dass substanzstarke Unternehmen im Vergleich zum restlichen Markt mit einem hohen Abschlag gehandelt werden, was historisch zu höheren zukünftigen Renditen für diese Anlageklasse geführt hat.

Welche Kennzahlen werden typischerweise für die Berechnung genutzt?

Am häufigsten werden das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn (EV/EBITDA) herangezogen. Oft werden auch Kombinationen dieser Kennzahlen (Composites) verwendet, um branchenspezifische Verzerrungen zu glätten.

Wie lange dauert es, bis sich ein weiter Spread wieder schließt?

Die Mean Reversion kann Jahre dauern. Ein weiter Spread ist kein kurzfristiges Timing-Instrument. Es kann durchaus vorkommen, dass teure Aktien über Monate oder Jahre hinweg noch teurer werden, bevor der Markt korrigiert und sich die Bewertungsdifferenz wieder normalisiert.

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