Die korrekte Verteilung von Gemeinkosten ist das Rückgrat einer soliden Preiskalkulation. Wer den Betriebsabrechnungsbogen berechnen kann, versteht nicht nur, wo Kosten im Unternehmen entstehen, sondern auch, wie diese fair auf die Produkte umgelegt werden. Der BAB ist das zentrale Instrument der Kostenstellenrechnung und dient als Brücke zwischen der Kostenarten- und der Kostenträgerrechnung.
In diesem Artikel führen wir Sie durch den kompletten Prozess der BAB-Erstellung, zeigen Ihnen die notwendigen Formeln für die Zuschlagssätze und stellen Ihnen einen interaktiven Rechner zur Verfügung, mit dem Sie Ihre eigenen Werte sofort überprüfen können.
Was ist der Betriebsabrechnungsbogen (BAB)?
Der Betriebsabrechnungsbogen ist ein tabellarisches Kalkulationsschema der Kostenstellenrechnung. Er hat primär die Aufgabe, die Gemeinkosten (Kosten, die einem Produkt nicht direkt zugeordnet werden können, wie z.B. Miete oder Gehälter der Buchhaltung) auf die verursachenden Unternehmensbereiche – die sogenannten Kostenstellen – zu verteilen.
Die Hauptziele des BAB sind:
- Verteilung der primären Gemeinkosten auf Kostenstellen.
- Durchführung der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung (sekundäre Gemeinkosten).
- Ermittlung von Gemeinkostenzuschlagssätzen für die Kostenträgerrechnung.
- Kontrolle der Wirtschaftlichkeit einzelner Abteilungen.
Für tiefergehende Definitionen empfiehlt sich ein Blick in das Gabler Wirtschaftslexikon .
Aufbau und Kostenstellen im BAB
Ein klassischer BAB ist als Matrix aufgebaut. In den Zeilen stehen die verschiedenen Gemeinkostenarten (z.B. Hilfsstoffe, Energiekosten, Abschreibungen), während die Spalten die Kostenstellen repräsentieren. In der Praxis, wie auch bei der IHK oft gelehrt, unterscheidet man vier Hauptkostenstellen:
- Material: Einkauf, Lagerung, Warenannahme.
- Fertigung: Produktion, Montage, Werkstatt.
- Verwaltung: Geschäftsführung, Personalwesen, Rechnungswesen.
- Vertrieb: Marketing, Verkauf, Versand.
Die Berechnung der Zuschlagssätze (Formeln)
Das Herzstück, wenn Sie einen Betriebsabrechnungsbogen berechnen, ist die Ermittlung der Zuschlagssätze. Diese Prozentsätze geben an, wie viel Gemeinkosten auf die Einzelkosten aufgeschlagen werden müssen, um kostendeckend zu kalkulieren.
Interaktiver BAB-Rechner
Nutzen Sie diesen Rechner, um die Zuschlagssätze basierend auf Ihren Einzel- und Gemeinkosten schnell zu ermitteln.
Beispielrechnung aus der Praxis
Um die Theorie zu verdeutlichen, betrachten wir ein Beispielunternehmen, die "Möbelbau GmbH". Folgende Werte wurden aus der Buchhaltung für den Monat März entnommen:
- Materialeinzelkosten (Holz): 50.000 €
- Materialgemeinkosten (Lager): 5.000 €
- Fertigungslöhne (Schreiner): 30.000 €
- Fertigungsgemeinkosten (Maschinen): 45.000 €
- Verwaltungsgemeinkosten: 15.000 €
- Vertriebsgemeinkosten: 10.000 €
Die Berechnungsschritte:
- MGKZ: (5.000 / 50.000) * 100 = 10 %
- FGKZ: (45.000 / 30.000) * 100 = 150 %
- Herstellkosten (HK): 50.000 + 5.000 + 30.000 + 45.000 = 130.000 €
- VwGKZ: (15.000 / 130.000) * 100 ≈ 11,54 %
- VtGKZ: (10.000 / 130.000) * 100 ≈ 7,69 %
Diese Prozentsätze werden nun für zukünftige Angebote verwendet, um sicherzustellen, dass alle indirekten Kosten gedeckt sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einstufigem und mehrstufigem BAB?
Beim einstufigen BAB werden nur Hauptkostenstellen verrechnet. Der mehrstufige BAB beinhaltet auch Hilfskostenstellen (z.B. Kantine, Energieversorgung), deren Kosten zunächst auf die Hauptkostenstellen umgelegt werden müssen, bevor die Zuschlagssätze berechnet werden.
Wie oft sollte man den BAB erstellen?
In der Regel wird der BAB monatlich erstellt, um zeitnah auf Kostenabweichungen reagieren zu können. Mindestens jedoch einmal jährlich für die Jahreskalkulation.
Was sind Verteilungsschlüssel?
Wenn Gemeinkosten nicht direkt einer Kostenstelle zugeordnet werden können (z.B. Miete für das gesamte Gebäude), nutzt man Verteilungsschlüssel wie Quadratmeterzahl, Mitarbeiteranzahl oder Kilowattstunden, um die Kosten verursachungsgerecht aufzuteilen.