Kostenstellenrechnung: Definition, BAB & Berechnung

Was ist die Kostenstellenrechnung? Erfahren Sie alles über Aufgaben, den Betriebsabrechnungsbogen (BAB) und die Berechnung von Zuschlagssätzen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wo genau in Ihrem Unternehmen das Geld eigentlich hinfließt? Während die Buchhaltung erfasst, welche Kosten entstanden sind, geht die Kostenstellenrechnung einen entscheidenden Schritt weiter. Sie beantwortet die Frage: Wo sind die Kosten angefallen?

Als zentrales Instrument des internen Rechnungswesens sorgt sie für Transparenz und bildet die Brücke zwischen den Kostenarten und den Kostenträgern (Produkten). In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Kostenstellenrechnung funktioniert, wie Sie den Betriebsabrechnungsbogen (BAB) nutzen und wie Sie Gemeinkostenzuschläge präzise berechnen.

Der Ort der Kostenentstehung Ein Diagramm, das die Position der Kostenstellenrechnung zwischen Kostenarten und Kostenträgern zeigt. 1. Kostenarten Welche Kosten? (z.B. Miete, Strom) 2. Kostenstellen WO fallen Kosten an? Verteilung der Gemeinkosten auf Abteilungen 3. Kostenträger Wofür? (Produkte, Dienstl.)

Was ist die Kostenstellenrechnung?

Die Kostenstellenrechnung ist die zweite Stufe der klassischen Kosten- und Leistungsrechnung (KLR). Nachdem in der Kostenartenrechnung erfasst wurde, welche Kosten angefallen sind (z. B. Gehälter, Büromaterial), ordnet die Kostenstellenrechnung diese Kosten dem Ort ihrer Entstehung zu.

Dabei geht es primär um die sogenannten Gemeinkosten. Während Einzelkosten (wie Holz für einen Tisch) direkt dem Produkt zugeordnet werden können, ist dies bei Gemeinkosten (wie die Miete für die Werkshalle oder das Gehalt des Buchhalters) nicht möglich. Hier greift die Kostenstellenrechnung: Sie verteilt diese Kosten verursachungsgerecht auf die verschiedenen Unternehmensbereiche (Kostenstellen).

Die zentralen Aufgaben

  • Verteilung der Gemeinkosten: Faire Zuordnung von Kosten, die nicht direkt einem Produkt zuweisbar sind.
  • Wirtschaftlichkeitskontrolle: Durch den Soll-Ist-Vergleich kann geprüft werden, ob eine Abteilung (z. B. Marketing) ihr Budget einhält.
  • Vorbereitung der Kalkulation: Sie liefert die Zuschlagssätze, die nötig sind, um den Preis eines Produktes zu berechnen.

Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB)

Das wichtigste Werkzeug der Kostenstellenrechnung ist der Betriebsabrechnungsbogen (BAB). Er ist tabellarisch aufgebaut:

  • Zeilen: Hier stehen die Gemeinkostenarten (z. B. Hilfslöhne, Energie, Abschreibungen).
  • Spalten: Hier stehen die Kostenstellen (z. B. Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb).

Im BAB werden die Gemeinkosten mithilfe von Verteilungsschlüsseln (z. B. Quadratmeterzahl für Miete oder Mitarbeiterzahl für Kantinenkosten) auf die Stellen verteilt. Am Ende des BABs werden die sogenannten Gemeinkostenzuschlagssätze ermittelt.

Arten von Kostenstellen

Nicht jede Abteilung wird gleich behandelt. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen:

Hauptkostenstellen: Diese sind direkt an der Erstellung und Verwertung der Produkte beteiligt (z. B. Fertigung, Montage). Ihre Kosten werden direkt auf die Kostenträger verrechnet.

Hilfskostenstellen: Sie erbringen Leistungen für andere Kostenstellen (z. B. Energieversorgung, Reparaturwerkstatt, Kantine). Ihre Kosten werden erst auf andere Kostenstellen umgelegt, bevor sie in die Kalkulation einfließen.

Berechnung von Zuschlagssätzen

Ein Hauptziel der Kostenstellenrechnung ist die Ermittlung von Zuschlagssätzen. Diese Sätze geben an, wie viel Prozent Gemeinkosten auf die Einzelkosten aufgeschlagen werden müssen, um kostendeckend zu arbeiten.

Formel zur Berechnung des Zuschlagssatzes:

Diese Formel wird verwendet, um zu ermitteln, wie viel Prozent Gemeinkosten (z. B. Lagerkosten) auf die direkten Einzelkosten (z. B. Materialwert) aufgeschlagen werden müssen.

\[ \text{Zuschlagssatz (in \%)} = \frac{\text{Gemeinkosten der Stelle}}{\text{Einzelkosten der Stelle}} \times 100 \]

Erklärung der Bestandteile:

  • Gemeinkosten der Stelle: Summe aller indirekten Kosten dieser Abteilung (aus dem BAB).
  • Einzelkosten der Stelle: Direkte Kosten, die in dieser Abteilung angefallen sind (z. B. Fertigungslöhne).

Interaktiver Zuschlagskalkulator

Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell den Gemeinkostenzuschlagssatz für eine Kostenstelle (z. B. Materialbereich) zu ermitteln.

Gemeinkostenzuschlag berechnen

Zuschlagssatz: 0.00 %

Zusammenfassung und Fazit

Die Kostenstellenrechnung ist unverzichtbar für jedes Unternehmen, das seine Preisgestaltung nicht dem Zufall überlassen will. Sie sorgt dafür, dass Gemeinkosten transparent werden und fair in die Produktpreise einfließen. Ohne sie wüssten Sie zwar, dass Kosten entstanden sind, aber nicht, welche Abteilung dafür verantwortlich ist oder wo Einsparpotenziale liegen.

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Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Kostenstelle und Kostenträger?

Die Kostenstelle ist der Ort der Kostenentstehung (z. B. Abteilung "Fertigung"). Der Kostenträger ist das Ergebnis des Prozesses, also das Produkt oder die Dienstleistung, welche die Kosten tragen muss.

Was sind typische Kostenstellen?

Typische Beispiele sind Materialwirtschaft (Einkauf, Lager), Fertigung (Produktion, Montage), Verwaltung (Geschäftsführung, HR) und Vertrieb (Marketing, Verkauf).

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