Steht bei einer Aktiengesellschaft eine Kapitalerhöhung an, werden Aktionäre oft mit Begriffen wie Bezugsverhältnis und Bezugsrecht konfrontiert. Doch was bedeuten diese Zahlen konkret für Ihr Depot? Einfach ausgedrückt gibt das Bezugsverhältnis an, wie viele alte Aktien Sie besitzen müssen, um eine bestimmte Anzahl neuer, meist günstigerer Aktien kaufen zu dürfen.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie das Bezugsverhältnis präzise berechnen, warum es für Ihre Rendite entscheidend ist und wie Sie unseren interaktiven Rechner für Ihre Kalkulation nutzen können.
Was ist das Bezugsverhältnis?
Das Bezugsverhältnis ist eine Kennzahl, die bei einer ordentlichen Kapitalerhöhung einer Aktiengesellschaft zum Tragen kommt. Es definiert die Relation zwischen dem bisherigen Grundkapital (den alten Aktien) und dem Betrag der Kapitalerhöhung (den jungen Aktien).
Für Sie als Aktionär bedeutet das: Das Verhältnis legt fest, wie viele Bezugsrechte Sie benötigen, um eine neue Aktie zum meist vergünstigten Bezugspreis zu erwerben. Dies schützt Altaktionäre vor einer sogenannten Verwässerung ihrer Stimmrechtsanteile und ihres Vermögenswerts.
Die Formel: So berechnen Sie das Bezugsverhältnis
Die mathematische Grundlage ist simpel. Um das Bezugsverhältnis (BV) zu ermitteln, teilen Sie die Anzahl der alten Aktien durch die Anzahl der neu ausgegebenen Aktien.
Praxis-Beispiel
Nehmen wir an, die Muster AG hat ein Grundkapital von 10 Millionen Euro, zerlegt in 10 Millionen Aktien. Nun beschließt sie eine Kapitalerhöhung um 2 Millionen Euro (2 Millionen neue Aktien).
- Alte Aktien: 10.000.000 Stück
- Neue Aktien: 2.000.000 Stück
Die Rechnung lautet:
$$ BV = \frac{10.000.000}{2.000.000} = 5 $$
Das Bezugsverhältnis beträgt 5 : 1. Das bedeutet, für je 5 alte Aktien, die Sie besitzen, dürfen Sie 1 neue Aktie kaufen.
Interaktiver Bezugsverhältnis Rechner
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Warum ist das Bezugsverhältnis wichtig?
Das Bezugsverhältnis ist nicht nur eine theoretische Zahl. Es hat direkten Einfluss auf den rechnerischen Wert des Bezugsrechts. Wenn neue Aktien günstiger ausgegeben werden als der aktuelle Börsenkurs (was meistens der Fall ist), sinkt der Kurs der alten Aktien nach der Kapitalerhöhung rechnerisch („Mischkurs“). Das Bezugsrecht gleicht diesen Wertverlust finanziell aus.
Weitere Informationen zu den rechtlichen Grundlagen von Kapitalmaßnahmen finden Sie im Gabler Wirtschaftslexikon.
Zusammenfassung
Das Verständnis des Bezugsverhältnisses hilft Ihnen zu entscheiden, ob Sie an einer Kapitalerhöhung teilnehmen (Bezugsrechte ausüben) oder Ihre Bezugsrechte lieber an der Börse verkaufen möchten. Hier ist das Wichtigste auf einen Blick:
Häufige Fragen (FAQ)
Was bedeutet ein Bezugsverhältnis von 3:1?
Ein Verhältnis von 3:1 bedeutet, dass Sie für je drei alte Aktien, die Sie bereits im Depot haben, das Recht erhalten, eine neue Aktie zu erwerben.
Kann das Bezugsverhältnis krumm sein?
Ja, rechnerisch sind auch Verhältnisse wie 7:2 oder Kommazahlen möglich. In der Praxis versuchen Unternehmen jedoch oft, glatte Verhältnisse zu schaffen, um die Abwicklung für Kleinaktionäre zu erleichtern.