DIO Formel: Days Inventory Outstanding berechnen

Erfahren Sie alles über die DIO Formel (Days Inventory Outstanding). Lernen Sie, wie Sie Ihre Lagerreichweite berechnen, interpretieren und optimieren, um Liquidität freizusetzen.

Wie lange liegt Ihr Kapital ungenutzt im Lager? In der Welt der Unternehmensfinanzierung und des Supply Chain Managements ist Liquidität König. Die DIO Formel (Days Inventory Outstanding), im Deutschen oft als Lagerreichweite oder Lagerdauer bezeichnet, ist eine der wichtigsten Kennzahlen, um genau dies zu messen. Sie verrät Ihnen, wie effizient Ihr Unternehmen Vorräte in verkaufte Ware – und damit in Umsatz – verwandelt.

In diesem Artikel erfahren Sie nicht nur, wie Sie den DIO exakt berechnen, sondern auch, wie Sie die Ergebnisse interpretieren und Ihre Lagerhaltung strategisch optimieren können. Nutzen Sie unseren integrierten Rechner, um Ihre Werte sofort zu ermitteln.

Der Cash Conversion Cycle und DIO Eine Darstellung, wo sich Days Inventory Outstanding im Geldumschlagszyklus befindet. DIO Days Inventory Outstanding Zeitraum: Einkauf bis Verkauf + DSO Days Sales Outstanding (Forderungslaufzeit) - DPO Days Payable Outstanding (Verbindlichkeiten) = Cash Conversion Cycle (Geldumschlagsdauer)

Was ist Days Inventory Outstanding (DIO)?

Days Inventory Outstanding (DIO) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die angibt, wie viele Tage ein Unternehmen durchschnittlich benötigt, um seinen gesamten Lagerbestand zu verkaufen. Sie ist ein Maß für die Effizienz des Bestandsmanagements und ein direkter Indikator für die Liquiditätsbindung.

Ein niedriger DIO-Wert deutet darauf hin, dass ein Unternehmen seine Waren schnell umschlägt, was in der Regel positiv bewertet wird. Ein zu hoher Wert kann hingegen signalisieren, dass zu viel Kapital in Lagerbeständen gebunden ist („totes Kapital“) oder dass Absatzprobleme bestehen.

Die DIO Formel erklärt

Um den DIO zu berechnen, benötigen Sie zwei Hauptkomponenten aus Ihrer Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV): den durchschnittlichen Lagerbestand und die Herstellungskosten des Umsatzes (Cost of Goods Sold - COGS).

Die Standard-Formel zur Berechnung:

\[ DIO = \frac{\text{Durchschnittlicher Lagerbestand}}{\text{Wareneinsatz (COGS)}} \times 365 \]

Erklärung der Bestandteile:

  • Durchschnittlicher Lagerbestand: Oft berechnet als \(\frac{\text{Anfangsbestand} + \text{Endbestand}}{2}\). Dies glättet saisonale Schwankungen.
  • Wareneinsatz (COGS): Die direkten Kosten, die der Produktion der verkauften Waren zugeordnet werden (Material, Fertigungslöhne etc.). Wichtig: Nutzen Sie nicht den Verkaufsumsatz, da dieser Gewinnmargen enthält.
  • 365: Die Anzahl der Tage im Jahr (manchmal wird auch mit 360 Tagen gerechnet).

Alternative Berechnung über die Umschlagshäufigkeit

Manchmal ist die Lagerumschlagshäufigkeit bereits bekannt. In diesem Fall lässt sich der DIO noch einfacher ermitteln:

\[ DIO = \frac{365}{\text{Lagerumschlagshäufigkeit}} \]

Interaktiver DIO Rechner

Nutzen Sie dieses Tool, um Ihre Lagerdauer schnell zu ermitteln. Geben Sie einfach Ihre Werte ein.

DIO Rechner

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Tage bis zum Verkauf

Interpretation der Ergebnisse: Was ist ein guter DIO?

Es gibt keinen universellen „perfekten“ Wert, da der DIO stark von der Branche abhängt. Ein Supermarkt, der verderbliche Lebensmittel verkauft, muss einen extrem niedrigen DIO haben (oft unter 10 Tagen). Ein Flugzeughersteller hingegen hat naturgemäß einen sehr hohen DIO.

  • Niedriger DIO (z.B. < 30 Tage): Zeigt hohe Effizienz. Das Unternehmen verkauft Waren schnell. Risiko: Mögliche Lieferengpässe (Stockouts), wenn die Nachfrage plötzlich steigt.
  • Hoher DIO (z.B. > 90 Tage): Zeigt langsame Verkäufe. Kapital ist lange gebunden. Risiko: Veralterung der Ware, hohe Lagerhaltungskosten, Liquiditätsprobleme.

Für eine fundierte Analyse sollten Sie Ihren Wert immer mit dem Branchendurchschnitt oder Ihren historischen Daten vergleichen.

Zusammenfassung: DIO Optimierung DIO Optimierung Balance zwischen Liquidität und Lieferfähigkeit Das Ziel Kapitalbindung minimieren Die Hebel • Bessere Prognosen • Just-in-Time Lieferung • Ladenhüter abverkaufen Das Risiko Stockouts & Kundenverlust Formel DIO = (Ø Lagerbestand / Wareneinsatz) × 365

Strategien zur Optimierung des DIO

Wenn Ihre Berechnung einen zu hohen Wert ergibt, sollten Sie Maßnahmen ergreifen, um die Lagerdauer zu verkürzen und Liquidität freizusetzen:

  1. Verbesserung der Nachfrageprognose (Forecasting): Nutzen Sie KI-gestützte Tools oder historische Datenanalysen, um den Bedarf präziser vorherzusagen und Überbestände zu vermeiden.
  2. Bereinigung von „Ladenhütern“ (Obsolete Inventory): Identifizieren Sie Produkte, die sich seit Monaten nicht verkauft haben, und stoßen Sie diese durch Rabattaktionen ab. Auch wenn die Marge leidet, ist die gewonnene Liquidität oft wertvoller.
  3. Just-in-Time (JIT) Strategien: Verringern Sie die Lagerhaltung, indem Sie Materialien erst bestellen, wenn sie für die Produktion benötigt werden. Dies erfordert jedoch sehr zuverlässige Lieferanten.
  4. Optimierung der Losgrößen: Prüfen Sie, ob kleinere, häufigere Bestellungen wirtschaftlicher sind als große Mengen, die lange gelagert werden müssen (Abwägung zwischen Mengenrabatt und Lagerkosten).

Fazit

Die DIO Formel ist ein unverzichtbares Werkzeug für jedes Unternehmen, das seine finanzielle Gesundheit ernst nimmt. Sie ist Teil des „Cash Conversion Cycle“ und hilft Ihnen, die Balance zwischen ausreichender Lieferfähigkeit und minimaler Kapitalbindung zu finden. Berechnen Sie Ihren DIO regelmäßig, um Trends frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Für weiterführende Informationen zu Finanzkennzahlen empfehlen wir auch die Ressourcen von Investopedia.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist ein hoher oder niedriger DIO besser?

Generell ist ein niedriger DIO besser, da er anzeigt, dass Waren schnell verkauft werden und Kapital schnell zurückfließt. Ein extrem niedriger Wert kann jedoch riskant sein, wenn er zu Lieferengpässen führt.

Was ist der Unterschied zwischen DIO und Lagerumschlagshäufigkeit?

Beide messen dasselbe Phänomen, aber aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Umschlagshäufigkeit sagt aus, wie oft das Lager pro Jahr geleert wird (z.B. 4-mal). Der DIO sagt aus, wie viele Tage eine Ladung im Lager liegt (z.B. 91 Tage).

Warum nutzt man COGS statt Umsatz für die Berechnung?

Der Lagerbestand wird in der Bilanz zu Herstellungskosten (ohne Gewinnmarge) bewertet. Um Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen, muss auch der Nenner (Wareneinsatz/COGS) auf Kostenbasis sein. Würde man den Umsatz nutzen, würde die Gewinnmarge das Ergebnis verfälschen.

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