In der Welt der Kostenrechnung stehen Unternehmen oft vor einem Dilemma: Die tatsächlichen Preise für Rohstoffe und Energie schwanken täglich, doch Kunden erwarten stabile Angebotspreise. Hier kommen Istkosten und Normalkosten ins Spiel. Während Istkosten die nackte Realität der Vergangenheit abbilden, dienen Normalkosten als glättendes Instrument, um Kalkulationen verlässlich und vergleichbar zu machen.
Dieser Artikel erklärt Ihnen einfach und praxisnah, wie sich diese Kostenarten unterscheiden, warum die Berechnung der Deckungsdifferenz für Ihr Controlling überlebenswichtig ist und wie Sie diese Werte korrekt ermitteln.
Was sind Istkosten?
Istkosten sind die tatsächlich angefallenen Kosten in einer Abrechnungsperiode. Sie basieren auf realen Belegen, Rechnungen und Verbrauchsmessungen. Da sie erst nach Leistungserstellung (ex-post) exakt feststehen, bilden sie die absolute Realität ab, sind aber für eine vorausschauende Preiskalkulation oft zu spät verfügbar oder zu schwankungsanfällig.
- Beispiel: Die Stromrechnung für den Monat Mai beträgt exakt 4.520,50 €.
- Nachteil: Zufällige Schwankungen (z.B. Nachzahlungen, Preissprünge bei Rohstoffen) verzerren den Periodenvergleich.
Was sind Normalkosten?
Normalkosten sind Durchschnittswerte aus vergangenen Perioden (meist der Durchschnitt der letzten 12 Monate). Sie glätten die zufälligen Ausschläge der Istkosten. Mit Normalkosten können Unternehmen stabile Verrechnungssätze (z.B. Maschinenstundensätze) bilden, die über längere Zeit konstant bleiben.
- Beispiel: Der durchschnittliche Stromaufwand der letzten 12 Monate lag bei 4.300 €. Dieser Wert wird für die Kalkulation im Juni angesetzt, unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch.
- Vorteil: Ermöglicht eine schnelle Vorkalkulation und stabile Angebotspreise.
Direkter Vergleich: Istkosten vs. Normalkosten
Der Hauptunterschied liegt in der Zeitperspektive und dem Zweck. Während die Istkostenrechnung der Nachkalkulation und Dokumentation dient, unterstützt die Normalkostenrechnung die Angebotskalkulation und Budgetierung.
| Merkmal | Istkosten | Normalkosten |
|---|---|---|
| Basis | Tatsächlicher Verbrauch & Preise | Durchschnittswerte der Vergangenheit |
| Zeitpunkt | Nachträglich (Ex-post) | Im Voraus (Ex-ante) verfügbar |
| Verlauf | Schwankend | Konstant / Geglättet |
Kostenüberdeckung und Kostenunterdeckung
Da Normalkosten auf Durchschnitten basieren und Istkosten die Realität abbilden, stimmen diese beiden Werte fast nie überein. Diese Abweichung nennt man Deckungsdifferenz. Sie ist ein wichtiges Warnsignal für das Controlling.
Interaktiver Rechner: Deckungsdifferenz ermitteln
Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell zu prüfen, ob in Ihrer Kostenstelle eine Über- oder Unterdeckung vorliegt.
Abgrenzung: Normalkosten vs. Plankosten
Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von Normal- und Plankosten. Obwohl beide "fiktive" Kosten sind, unterscheiden sie sich in ihrem Ursprung:
- Normalkosten sind vergangenheitsorientiert (Durchschnitt der Vergangenheit).
- Plankosten sind zukunftsorientiert. Sie basieren auf technischen Berechnungen, wie viel eine Leistung unter optimalen Bedingungen kosten sollte.
Fazit
Die Unterscheidung zwischen Ist- und Normalkosten ist essenziell für eine stabile Preispolitik. Während die Istkosten die finanzielle Realität für die Buchhaltung darstellen, ermöglichen Normalkosten eine verlässliche Kalkulation ohne tägliche Preissprünge. Ein regelmäßiger Abgleich (Soll-Ist-Vergleich) schützt Ihr Unternehmen vor schleichenden Verlusten durch Kostenunterdeckung.
Für aktuelle Preisentwicklungen und Indizes, die Ihre Istkosten beeinflussen, bietet das Statistische Bundesamt (Destatis) verlässliche Datenquellen.