Das optimale Produktionsprogramm bestimmt die Fertigungsmengen von Produkten so, dass der Gesamtdeckungsbeitrag und damit der Betriebsgewinn maximiert werden. Wenn Maschinenkapazitäten oder Personal knapp sind, reicht der absolute Gewinn pro Stück als Entscheidungskriterium nicht aus. Entscheidend ist in Engpasssituationen der relative Deckungsbeitrag.
Was ist das optimale Produktionsprogramm?
Das optimale Produktionsprogramm beschreibt die Kombination von Produkten und Produktionsmengen, die unter Berücksichtigung aller Restriktionen wie Maschinenlaufzeiten, Personal oder Materialverfügbarkeit den höchsten Betriebsgewinn erwirtschaftet. Es ist eine zentrale Aufgabe der kurzfristigen Produktionsplanung.
Ziel ist der effiziente Einsatz begrenzter Ressourcen zur Erzielung des maximalen Wertbeitrags. Maßgeblich für die Entscheidung ist der Deckungsbeitrag (DB), nicht das reine Umsatzvolumen.
Grundlegende Entscheidungssituationen
In der Praxis unterscheidet man drei Entscheidungsszenarien, die unterschiedliche Rechenwege erfordern:
- Kein Engpass: Das Unternehmen verfügt über genügend Kapazitäten, um die gesamte Marktnachfrage zu befriedigen.
- Ein Engpass: Eine Ressource (z. B. eine Spezialmaschine) ist knapp und begrenzt die Produktion.
- Mehrere Engpässe: Mehrere Ressourcen sind gleichzeitig knapp (erfordert lineare Optimierung).
Szenario 1: Kein Engpass vorhanden
Wenn keine Kapazitätsbeschränkungen vorliegen, ist die Entscheidung eindeutig: Das Unternehmen produziert jedes Erzeugnis, das einen positiven Deckungsbeitrag erwirtschaftet. Der Deckungsbeitrag ist die Differenz aus Verkaufspreis und variablen Kosten.
Solange ist, trägt jedes verkaufte Stück zur Deckung der Fixkosten bei und erhöht den Gewinn. Das optimale Produktionsprogramm entspricht in diesem Fall der Absatzhöchstmenge aller profitablen Produkte.
Szenario 2: Ein Engpass (Relativer Deckungsbeitrag)
Tritt ein Engpass auf (z. B. stehen nur 500 Maschinenstunden zur Verfügung, der Markt fragt aber Produkte für 800 Stunden nach), kann nicht die volle Nachfrage bedient werden. In dieser Situation reicht der absolute Deckungsbeitrag pro Stück als Entscheidungskriterium nicht aus.
Entscheidend ist, welches Produkt den Engpass am effizientesten nutzt. Hierfür wird der relative Deckungsbeitrag (auch engpassbezogener DB) ermittelt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Lösung
- Stück-Deckungsbeitrag berechnen: Für alle Produkte .
- Engpassbelastung ermitteln: Zeit- oder Materialbedarf eines Stücks im Engpass bestimmen.
- Relativen DB berechnen: Stück-DB durch Engpassbelastung teilen.
- Rangfolge bilden: Das Produkt mit dem höchsten relativen DB erhält Rang 1.
- Kapazität verteilen: Produzieren Sie die maximale Absatzmenge von Rang 1. Ist noch Restkapazität verfügbar, folgt Rang 2 sukzessive bis zur vollen Kapazitätsauslastung.
Interaktiver Rechner: Optimales Produktionsprogramm
Nutzen Sie diesen Rechner, um das optimale Programm für zwei Produkte bei einem Zeit-Engpass zu ermitteln.
Szenario 3: Mehrere Engpässe (Lineare Optimierung)
Wirken mehrere Restriktionen gleichzeitig (z. B. wenn Maschinenzeit und Personal parallel kapazitiert sind), führt die Rangfolge des relativen Deckungsbeitrags nicht mehr verlässlich zum Optimum. Das Problem erfordert dann eine mathematische Lösung mittels linearer Optimierung (Simplex-Algorithmus).
Dabei wird die Zielfunktion (Maximierung des Gesamtdeckungsbeitrags) unter Nebenbedingungen in Form von Kapazitätsungleichungen formuliert. Bei zwei Erzeugnissen lässt sich der zulässige Lösungsraum grafisch als Vieleck darstellen, dessen Eckpunkte die optimalen Mengenkombinationen enthalten.
Häufige Fehler in der Praxis
- Fokus auf Umsatz statt Deckungsbeitrag: Produkte mit hohem Preis sind nicht automatisch profitabel, wenn sie die Engpasskapazität unverhältnismäßig lange beanspruchen.
- Fixkosten-Falle: Fixkosten sind kurzfristig nicht abbaubar und dürfen bei der Programmoptimierung nicht auf Stückbasis verteilt werden (Teilkostenrechnung).
- Vernachlässigung von Mindestmengen: Vertragliche Lieferpflichten müssen vor der eigentlichen Optimierung als feste Mindestmengen abgezogen werden.
Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre bietet die BWL-Lexikon Übersicht weitere Rechenbeispiele und grafische Lösungen.
Fazit
Prüfen Sie vor Produktionsentscheidungen stets die tatsächliche Auslastung Ihrer Kernressourcen. Liegt ein Engpass vor, steuern Sie das Fertigungsprogramm strikt über den relativen Deckungsbeitrag je Engpasseinheit, um das Betriebsergebnis zu maximieren. Bei mehreren simultanen Engpässen empfiehlt sich die quantitative Abstimmung über ein lineares Optimierungsmodell.