Die Plankostenrechnung ist eines der mächtigsten Instrumente im modernen Controlling. Anders als die vergangenheitsorientierte Istkostenrechnung blickt sie in die Zukunft und ermöglicht Unternehmen, Kosten nicht nur zu erfassen, sondern aktiv zu steuern. Sie fragen sich, wie Sie Abweichungen zwischen Planung und Realität präzise analysieren können? Oder was der Unterschied zwischen einer starren und einer flexiblen Plankostenrechnung ist?
In diesem Artikel führen wir Sie Schritt für Schritt durch die Welt der Plankosten. Wir erklären die zentralen Begriffe, liefern Ihnen die entscheidenden Formeln für Ihre Prüfung oder den Berufsalltag und stellen Ihnen einen interaktiven Rechner zur Verfügung, mit dem Sie Abweichungen sofort ermitteln können.
Was ist Plankostenrechnung?
Die Plankostenrechnung ist ein zukunftsorientiertes Verfahren der Kostenrechnung, bei dem die Kosten für eine zukünftige Periode im Voraus berechnet werden. Im Gegensatz zur Istkostenrechnung (Vergangenheit) oder Normalkostenrechnung (Durchschnittswerte), arbeitet sie mit Plankosten. Das sind Kosten, die bei wirtschaftlicher Betriebsführung unter angenommenen Bedingungen anfallen sollten.
Das Hauptziel ist die Wirtschaftlichkeitskontrolle. Durch den Vergleich der tatsächlich angefallenen Kosten (Istkosten) mit den geplanten Kosten können Unternehmen Ineffizienzen aufdecken.
Die drei Stufen der Plankostenrechnung
- Starre Plankostenrechnung: Einfachste Form, keine Trennung in Fix- und Variabelkosten.
- Flexible Plankostenrechnung: Trennt Kosten in fix und variabel, passt die Plankosten an die tatsächliche Beschäftigung an (Sollkosten).
- Grenzplankostenrechnung: Basiert auf der flexiblen Rechnung, verrechnet aber nur die variablen Kosten auf die Kostenträger.
Systeme im Detail: Starr vs. Flexibel
1. Starre Plankostenrechnung
Bei der starren Plankostenrechnung wird der Plankostensatz (Kosten pro Stück oder Stunde) nur für eine einzige Beschäftigungsstufe (Planbeschäftigung) ermittelt. Sie geht davon aus, dass sich die Kosten proportional zur Beschäftigung verhalten, was in der Realität durch Fixkostenblöcke oft falsch ist.
Nachteil: Bei Beschäftigungsschwankungen liefert sie keine aussagekräftigen Daten für die Kostenkontrolle, da sie die Fixkostenproportionalisierung ignoriert. Die errechnete "Gesamtabweichung" ist nicht interpretierbar.
2. Flexible Plankostenrechnung
Die flexible Plankostenrechnung behebt diesen Mangel. Sie unterscheidet strikt zwischen:
- Fixkosten: Kosten, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen (z.B. Miete, Abschreibungen).
- Variablen Kosten: Kosten, die sich mit der Produktionsmenge ändern (z.B. Material, Akkordlohn).
Der Clou: Sie berechnet die sogenannten Sollkosten. Das sind die Kosten, die bei der tatsächlichen Beschäftigung hätten anfallen dürfen.
Abweichungsanalyse: Wo liegt das Problem?
Das Herzstück der Plankostenrechnung ist die Analyse, warum die Istkosten von den Plankosten abweichen. Hierbei unterscheidet man drei zentrale Abweichungsarten:
Preisabweichung
Entsteht, wenn die Einkaufspreise für Produktionsfaktoren (z.B. Rohstoffe) höher oder niedriger waren als geplant.
Beispiel: Der Stahlpreis ist unerwartet gestiegen.
Verbrauchsabweichung
Entsteht durch unwirtschaftliches Arbeiten in der Kostenstelle. Es wurde mehr Material oder Zeit verbraucht als vorgesehen.
Formel: Istkosten – Sollkosten
Beschäftigungsabweichung
Entsteht, wenn die tatsächliche Auslastung von der geplanten Auslastung abweicht. Sie zeigt, wie viele Fixkosten nicht gedeckt sind (Leerkosten) oder überdeckt wurden.
Formel: Sollkosten – Verrechnete Plankosten
Interaktiver Plankosten-Rechner
Nutzen Sie diesen Rechner, um die Sollkosten und die Beschäftigungsabweichung für eine Kostenstelle schnell zu ermitteln.
Vor- und Nachteile im Überblick
Lohnt sich der Aufwand? Hier eine Zusammenfassung für Entscheidungsträger:
Fazit: Ein Muss für modernes Controlling
Die Plankostenrechnung, insbesondere in ihrer flexiblen Form, ist unverzichtbar für Unternehmen, die ihre Kosten nicht nur dokumentieren, sondern steuern wollen. Sie ermöglicht es, zwischen echter Verschwendung (Verbrauchsabweichung) und Auslastungsproblemen (Beschäftigungsabweichung) zu unterscheiden. Wer diese Instrumente beherrscht, schafft Transparenz und Wettbewerbsvorteile.
Möchten Sie tiefer in die Kostenrechnung einsteigen? Informieren Sie sich auch über die Prozesskostenrechnung als moderne Ergänzung.