In einer global vernetzten Wirtschaft ist die Logistik längst mehr als nur der Transport von A nach B. Sie ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Doch wie stellen Unternehmen sicher, dass ihre Lieferketten nicht nur funktionieren, sondern auch profitabel und effizient arbeiten? Hier kommt das Logistik Controlling ins Spiel. Es fungiert als das „Navigationssystem“ der Supply Chain, das Daten in handlungsrelevante Informationen verwandelt, Kosten transparent macht und Prozesse proaktiv steuert.
In diesem Artikel beleuchten wir die Definition, die zentralen Aufgaben und die wichtigsten Kennzahlen, die jeder Logistikmanager kennen muss. Zudem bieten wir Ihnen praktische Werkzeuge wie Formeln und einen interaktiven Rechner zur Bestimmung Ihrer Lagerumschlagshäufigkeit.
Was ist Logistik Controlling?
Das Logistik Controlling ist ein Teilbereich des Unternehmenscontrollings, der sich spezifisch auf die Planung, Steuerung und Kontrolle von Material-, Waren- und Informationsflüssen konzentriert. Es bildet die Schnittstelle zwischen der physischen Logistik und der finanziellen Betriebswirtschaft.
Dabei wird oft zwischen zwei Ebenen unterschieden:
- Strategisches Logistik Controlling: Hier geht es um langfristige Erfolgspotenziale, wie die Standortwahl von Lagerhäusern, Outsourcing-Entscheidungen (Make-or-Buy) oder die Einführung neuer Technologien.
- Operatives Logistik Controlling: Der Fokus liegt auf der Wirtschaftlichkeit des Tagesgeschäfts, z. B. der Überwachung von Transportkosten, Lagerbeständen und Durchlaufzeiten.
Ziele und zentrale Aufgaben
Das Hauptziel ist die Schaffung von Transparenz über Kosten und Leistungen, um die Logistikeffizienz zu steigern. In einem Umfeld, das von steigenden Energiepreisen und komplexen Lieferketten geprägt ist, ist dies essenziell.
Kernaufgaben im Überblick
- Informationsversorgung: Bereitstellung relevanter Daten für das Management.
- Koordination: Abstimmung zwischen Einkauf, Produktion, Vertrieb und Logistik.
- Kostenkontrolle: Identifikation von Kostentreibern in der Supply Chain.
- Beratung: Unterstützung der Geschäftsführung bei logistischen Entscheidungen.
Für tiefergehende Informationen zu Standards und aktuellen Entwicklungen in der Logistikbranche empfiehlt sich ein Blick auf die Publikationen der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., die regelmäßig Studien zur Lage der Wirtschaftsbereichs veröffentlicht.
Wichtige Kennzahlen (KPIs) im Logistik Controlling
Ohne Messung keine Steuerung. Kennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) sind das Herzstück des Logistik Controllings. Sie machen abstrakte Prozesse greifbar.
1. Lagerumschlagshäufigkeit (Inventory Turnover)
Diese Kennzahl gibt an, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand innerhalb eines Jahres verkauft bzw. verbraucht wurde. Ein hoher Wert deutet oft auf effiziente Lagerhaltung und geringe Kapitalbindung hin.
Interaktiver Rechner: Lagerumschlagshäufigkeit
Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell Ihre aktuelle Umschlagshäufigkeit zu ermitteln.
2. Liefertreue (On-Time Delivery)
Die Liefertreue misst die Zuverlässigkeit der Logistik gegenüber dem Kunden. Sie ist ein entscheidender Indikator für die Servicequalität.
Instrumente und Methoden
Neben reinen Kennzahlen nutzt das Logistik Controlling verschiedene Instrumente zur ganzheitlichen Steuerung:
- Logistikkostenrechnung: Erfasst alle Kosten, die durch logistische Leistungen entstehen (Transport, Lagerung, Handling, Administration).
- Benchmarking: Vergleich der eigenen Logistikleistung mit Wettbewerbern oder Best-Practice-Unternehmen.
- Balanced Scorecard (BSC): Ein Konzept, das finanzielle Kennzahlen mit Kunden-, Prozess- und Entwicklungsperspektiven verknüpft, um eine ausgewogene Strategieumsetzung zu gewährleisten.
Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML entwickeln diese Methoden stetig weiter, insbesondere im Hinblick auf Digitalisierung und KI.
Zusammenfassung: Die Säulen des Erfolgs
Ein effektives Logistik Controlling ruht auf mehreren Säulen. Die folgende Grafik fasst die wesentlichen Dimensionen zusammen, die für eine optimierte Supply Chain im Gleichgewicht gehalten werden müssen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Logistik und Supply Chain Controlling?
Während sich das Logistik Controlling primär auf die internen Transport- und Lagerprozesse konzentriert, betrachtet das Supply Chain Controlling die gesamte Wertschöpfungskette – vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden – und integriert unternehmensübergreifende Prozesse.
Welche Software wird für Logistik Controlling benötigt?
Die Basis bildet oft ein ERP-System (z. B. SAP). Darauf aufbauend kommen spezialisierte BI-Tools (Business Intelligence) wie Power BI oder Tableau zum Einsatz, um Daten zu visualisieren. Auch Warehouse Management Systeme (WMS) liefern essenzielle Rohdaten.
Wie hilft Controlling bei der Nachhaltigkeit?
Durch das „Green Logistics Controlling“ werden Emissionen und Ressourcenverbräuche messbar gemacht. Kennzahlen wie CO2-Ausstoß pro transportierter Tonne helfen Unternehmen, ökologische Ziele zu erreichen und gesetzliche Vorgaben (z. B. Lieferkettengesetz) einzuhalten.