Risikosteuerung (auch Risikobewältigung genannt) ist die aktive Phase im Risikomanagementprozess, in der konkrete Maßnahmen ergriffen werden, um identifizierte und bewertete Risiken zu verändern. Ziel ist es nicht immer, Risiken komplett zu eliminieren, sondern ein optimales Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag zu erreichen. Die vier Hauptstrategien sind: Vermeidung, Verminderung, Überwälzung und Akzeptanz.
Was ist Risikosteuerung?
Die Risikosteuerung (engl. Risk Control oder Risk Treatment) ist der operative Kern des Risikomanagements. Nachdem Risiken identifiziert und bewertet wurden (z. B. in einer Risikomatrix), stellt sich die entscheidende Frage: Was tun wir dagegen?
Es geht hierbei um die Umsetzung konkreter Maßnahmen, um die Risikoposition des Unternehmens so anzupassen, dass sie mit der Risikostrategie und der Risikotragfähigkeit übereinstimmt. Dabei wird oft zwischen aktiver und passiver Risikosteuerung unterschieden:
- Aktive Steuerung: Direkter Eingriff in die Ursachen oder Auswirkungen (z. B. Brandschutzmaßnahmen).
- Passive Steuerung: Finanzielle Vorsorge für den Schadensfall (z. B. Rücklagenbildung).
Die 4 Strategien der Risikosteuerung
1. Risikovermeidung (Avoidance)
Dies ist die radikalste Maßnahme. Das Risiko wird vollständig eliminiert, indem man die risikobehaftete Aktivität gar nicht erst beginnt oder sie einstellt.
- Beispiel: Ein Unternehmen entscheidet sich gegen den Markteintritt in ein politisch instabiles Land.
- Nachteil: Mit der Vermeidung des Risikos entfällt oft auch die Chance auf den damit verbundenen Gewinn (Opportunitätskosten).
2. Risikoverminderung (Reduction/Mitigation)
Hier wird versucht, entweder die Eintrittswahrscheinlichkeit oder die Schadenshöhe (oder beides) zu reduzieren.
- Ursachenbezogen: Bessere Wartung von Maschinen, um Ausfälle zu verhindern.
- Wirkungsbezogen: Installation einer Sprinkleranlage (verhindert das Feuer nicht, begrenzt aber den Schaden).
3. Risikoüberwälzung (Transfer/Sharing)
Das Risiko wird nicht beseitigt, sondern auf einen Dritten übertragen. Dies geschieht meist gegen eine Gebühr (Prämie).
- Versicherungen: Klassischer Transfer von finanziellen Risiken.
- Outsourcing: Verlagerung risikoreicher Prozesse an Spezialisten.
- Vertragliche Klauseln: Weitergabe von Preisrisiken an Kunden oder Lieferanten (z. B. Preisgleitklauseln).
4. Risikoakzeptanz (Acceptance)
Manche Risiken sind zu gering, um Maßnahmen zu rechtfertigen, oder die Maßnahmen wären teurer als der potenzielle Schaden. In diesem Fall wird das Risiko bewusst „getragen“ (Selbstbehalt).
- Voraussetzung: Das Risiko darf die Existenz des Unternehmens nicht gefährden.
- Maßnahme: Bildung von Eigenkapitalpuffern oder Rückstellungen in der Bilanz.
Berechnung: Kosten-Nutzen-Analyse von Maßnahmen
Eine Risikosteuerungsmaßnahme ist wirtschaftlich nur dann sinnvoll, wenn die Kosten der Maßnahme geringer sind als die Reduktion des erwarteten Schadenswerts (Risk Adjusted Value).
Interaktiver Rechner: Lohnt sich die Risikomaßnahme?
Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell zu prüfen, ob eine Investition in eine Risikosteuerungsmaßnahme (z. B. eine neue Firewall oder Mitarbeiterschulung) wirtschaftlich sinnvoll ist.
Risikomaßnahmen-ROI Rechner
Zusammenfassung und Fazit
Effektive Risikosteuerung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess. Unternehmen müssen ständig abwägen, welche Risiken sie selbst tragen können und wo externe Hilfe oder interne Prozessänderungen notwendig sind. Die Wahl der richtigen Strategie hängt maßgeblich von der Risikotragfähigkeit und den Kosten der Maßnahmen ab.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Risikosteuerung und Risikokontrolle?
Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, bezieht sich Risikosteuerung auf die aktive Umsetzung von Maßnahmen zur Risikobewältigung. Risikokontrolle (oder Risikoüberwachung) ist der nachgelagerte Schritt, bei dem geprüft wird, ob die Maßnahmen wirksam waren und ob sich das Risikoprofil verändert hat.
Wann sollte man ein Risiko akzeptieren?
Ein Risiko sollte akzeptiert werden, wenn die Kosten für Gegenmaßnahmen den potenziellen Schaden übersteigen (Unwirtschaftlichkeit) oder wenn das Risiko sehr gering ist (Bagatellrisiko) und die Existenz des Unternehmens nicht bedroht.
Für weiterführende Standards im Risikomanagement empfiehlt sich ein Blick auf die ISO 31000 Norm, die internationale Leitlinien für den Umgang mit Risiken festlegt.