In der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) stehen Unternehmen oft vor der Herausforderung, dass die geplanten Kosten nicht exakt den tatsächlichen Ausgaben entsprechen. Hier kommen die Begriffe Überdeckung und Unterdeckung ins Spiel. Diese Abweichungen entstehen, wenn die im Voraus kalkulierten Normalgemeinkosten von den tatsächlich angefallenen Ist-Gemeinkosten abweichen. Für Controller und Buchhalter ist das Verständnis dieser Differenzen essenziell, um die Wirtschaftlichkeit korrekt zu bewerten und Preise marktgerecht zu kalkulieren.
Was ist Überdeckung und Unterdeckung?
Um diese Begriffe zu verstehen, müssen wir zunächst zwei Kostenarten im Betriebsabrechnungsbogen (BAB) unterscheiden:
- Ist-Gemeinkosten: Dies sind die tatsächlich angefallenen Kosten einer Periode (z. B. die reale Stromrechnung oder tatsächliche Mietkosten).
- Normal-Gemeinkosten: Dies sind Durchschnittswerte aus der Vergangenheit, mit denen das Unternehmen kalkuliert, um Preisschwankungen auszugleichen und stabile Angebotspreise zu gewährleisten.
Eine Deckungsdifferenz entsteht immer dann, wenn diese beiden Werte nicht übereinstimmen. Da Ist-Kosten schwanken (z. B. durch höhere Energiepreise im Winter), Normal-Kosten aber oft starr kalkuliert sind, ist eine Differenz eher die Regel als die Ausnahme.
Eine Überdeckung ist betriebswirtschaftlich gesehen ein interner Gewinn (wir haben mehr Kosten einkalkuliert, als wir ausgegeben haben).
Eine Unterdeckung ist ein interner Verlust (wir haben weniger Kosten einkalkuliert, als wir tatsächlich zahlen mussten).
Die Formel: So berechnen Sie die Deckungsdifferenz
Die mathematische Grundlage ist simpel. Man vergleicht den verrechneten Wert (Normal) mit dem tatsächlichen Wert (Ist).
Interaktiver Rechner: Überdeckung oder Unterdeckung?
Nutzen Sie diesen Rechner, um schnell zu prüfen, ob in Ihrer Kostenstelle eine Über- oder Unterdeckung vorliegt.
Ursachen und Folgen
Warum weichen die Werte voneinander ab? In der Praxis gibt es drei Hauptgründe:
- Preisabweichungen: Rohstoffe oder Energie sind teurer geworden als zum Zeitpunkt der Planung (führt oft zu Unterdeckung).
- Verbrauchsabweichungen: Es wurde mehr Material verbraucht oder mehr Arbeitsstunden benötigt als geplant (Ineffizienz).
- Beschäftigungsabweichungen: Die Fixkosten verteilen sich auf weniger produzierte Stückzahlen als geplant (typische Ursache für Unterdeckung bei Auftragseinbrüchen).
Für eine vertiefte Definition der Kostenarten empfiehlt sich ein Blick in das Gabler Wirtschaftslexikon, welches die buchhalterischen Hintergründe präzise erläutert.
Beispiel aus der Praxis
Stellen Sie sich eine Schreinerei vor. Für das Jahr wurde ein Materialgemeinkostenzuschlag von 10% festgelegt.
- Im Januar werden Einzelmaterialien für 50.000 € verbraucht.
- Die Normalgemeinkosten betragen also: \(50.000 \text{ €} \times 10\% = 5.000 \text{ €}\).
- Am Monatsende zeigt die Buchhaltung jedoch Ist-Gemeinkosten (Lagerhaltung, Strom, Versicherung) von 5.500 €.
Rechnung: \(5.000 \text{ € (Normal)} - 5.500 \text{ € (Ist)} = -500 \text{ €}\).
Ergebnis: Es liegt eine Unterdeckung von 500 € vor. Das Unternehmen hat die Kosten für seine Produkte zu niedrig angesetzt und realisiert weniger Gewinn als geplant.
Fazit
Überdeckung und Unterdeckung sind wichtige Indikatoren für die Qualität der betrieblichen Kalkulation. Während eine leichte Überdeckung oft als Sicherheitspuffer dient, weist eine dauerhafte Unterdeckung auf Kostenprobleme oder veraltete Zuschlagssätze hin. Unternehmen sollten diese Differenzen im Rahmen der Nachkalkulation regelmäßig analysieren und ihre Normalzuschlagssätze anpassen.