Die Cash Ratio (im Deutschen oft als Liquidität 1. Grades oder Barliquidität bezeichnet) ist eine der strengsten Kennzahlen der Finanzanalyse. Sie gibt Investoren, Gläubigern und der Geschäftsführung eine klare Antwort auf die Frage: „Könnte das Unternehmen seine kurzfristigen Schulden sofort begleichen, ohne Lagerbestände verkaufen oder Forderungen eintreiben zu müssen?“
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Cash Ratio berechnen, welche Richtwerte als gesund gelten und warum eine zu hohe Quote nicht immer positiv ist. Nutzen Sie unseren integrierten Rechner, um Ihre eigenen Werte direkt zu überprüfen.
Was ist die Cash Ratio?
Die Cash Ratio (Barliquidität) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis der flüssigen Mittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens beschreibt. Sie ist ein Indikator für die statische Liquidität und zeigt an, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Schulden ausschließlich durch sofort verfügbare Geldmittel zu decken.
Im Gegensatz zur Quick Ratio oder Current Ratio werden hierbei Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder Vorräte nicht berücksichtigt, da diese nicht immer sofort in Bargeld umgewandelt werden können.
Formel zur Berechnung der Cash Ratio
Die Berechnung ist relativ simpel. Man benötigt lediglich zwei Werte aus der Bilanz: die Summe der flüssigen Mittel und die Summe der kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Online Cash Ratio Rechner
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Interpretation: Was ist ein guter Wert?
Viele Unternehmer fragen sich: „Muss meine Cash Ratio 100 % betragen?“ Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Nein.
Eine Cash Ratio von 100 % würde bedeuten, dass Sie alle kurzfristigen Schulden sofort bar bezahlen könnten. Das klingt sicher, ist aber betriebswirtschaftlich oft ineffizient. Bargeld auf dem Konto erwirtschaftet keine Rendite (Opportunitätskosten). Ein zu hoher Bestand an flüssigen Mitteln deutet darauf hin, dass das Unternehmen nicht genug investiert oder wächst.
Richtwerte für die Praxis
- Unter 10 %: Kann kritisch sein. Es besteht das Risiko, dass bei unerwarteten Zahlungsaufforderungen Engpässe entstehen.
- 10 % bis 30 %: Gilt im deutschsprachigen Raum (DACH) oft als solide Zielgröße. Es ist genug Puffer da, aber nicht zu viel totes Kapital.
- Über 50 %: Oft ein Zeichen für ineffizientes Cash-Management, es sei denn, das Unternehmen spart für eine große Investition.
Für detaillierte Branchenvergleiche und Definitionen empfiehlt sich ein Blick in das Gabler Wirtschaftslexikon, welches Standardwerke zur Bilanzanalyse bereitstellt.
Unterschied zu Liquidität 2. und 3. Grades
Die Cash Ratio steht nicht allein. Um die finanzielle Gesundheit ganzheitlich zu bewerten, betrachtet man meist drei Stufen der Liquidität. Hier hilft eine visuelle Übersicht:
- Liquidität 1. Grades (Cash Ratio): Nur Barmittel. Strengste Sicht.
- Liquidität 2. Grades (Quick Ratio): Barmittel + Forderungen. Realistischer für den laufenden Betrieb.
- Liquidität 3. Grades (Current Ratio): Barmittel + Forderungen + Vorräte. Zeigt die Substanz, aber Vorräte sind schwerer zu liquidieren.
Fazit: Warum die Cash Ratio wichtig ist
Die Cash Ratio ist ein „Worst-Case“-Indikator. Sie zeigt, ob ein Unternehmen auch dann überlebt, wenn keine neuen Einnahmen fließen. Für Investoren ist sie ein Signal für Sicherheit, für Manager ein Steuerungsinstrument für das Cash-Management. Ein gesunder Mix aus Liquidität und Investition ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg.
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