Der Deckungsgrad 1 (auch Anlagendeckungsgrad I oder Asset Coverage Ratio I) ist eine der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zur Beurteilung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens. Er gibt Auskunft darüber, inwieweit das langfristig gebundene Anlagevermögen durch das ebenfalls langfristig zur Verfügung stehende Eigenkapital finanziert ist. Ein gesunder Deckungsgrad ist ein Indikator für Krisenfestigkeit und Unabhängigkeit von externen Gläubigern.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie man den Deckungsgrad 1 berechnet, welche Richtwerte als ideal gelten (Stichwort: Goldene Bilanzregel) und wie er sich vom Deckungsgrad 2 unterscheidet.
Was ist der Deckungsgrad 1?
Der Deckungsgrad 1 (Anlagendeckung I) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis von Eigenkapital zum Anlagevermögen beschreibt. Sie beantwortet die Frage: „Wie viel Prozent meiner Maschinen, Gebäude und Patente gehören wirklich mir (dem Unternehmen) und sind nicht durch Schulden finanziert?“
Diese Kennzahl ist eng mit der Goldenen Bilanzregel (im engeren Sinne) verknüpft. Diese besagt, dass langfristig gebundenes Vermögen (Anlagevermögen) auch langfristig finanziert sein muss – idealerweise durch Eigenkapital, das dem Unternehmen unbefristet zur Verfügung steht.
Warum ist das wichtig?
- Sicherheit: Ein hoher Deckungsgrad 1 bedeutet, dass das Unternehmen weniger anfällig für Kreditausfälle oder Zinserhöhungen ist.
- Kreditwürdigkeit: Banken bewerten Unternehmen mit einer soliden Eigenkapitalbasis (und damit einem guten Deckungsgrad) oft besser (Rating).
- Fristenkongruenz: Es wird vermieden, dass langfristige Investitionen durch kurzfristige Kredite finanziert werden, was bei Fälligkeit zu Liquiditätsengpässen führen könnte.
Formel zur Berechnung des Deckungsgrad 1
Die Berechnung ist simpel. Man benötigt lediglich zwei Werte aus der Bilanz:
Deckungsgrad 1 Rechner
Nutzen Sie diesen Rechner, um Ihren Anlagendeckungsgrad schnell zu ermitteln und eine erste Einschätzung zu erhalten.
Richtwerte: Was ist ein guter Deckungsgrad 1?
Die Interpretation des Deckungsgrades hängt stark von der Branche ab. Ein Dienstleistungsunternehmen mit wenig Maschinen hat oft einen höheren Deckungsgrad als ein produzierendes Industrieunternehmen.
- Idealwert (Theorie): 70 % bis 100 %. Die strenge „Goldene Bilanzregel“ fordert sogar ≥ 100 %, was bedeutet, dass das gesamte Anlagevermögen durch Eigenkapital finanziert ist.
- Praxiswert: In der Realität erreichen viele gesunde Unternehmen Werte zwischen 50 % und 70 %. Da Eigenkapital oft teurer oder schwerer zu beschaffen ist als Fremdkapital, ist eine 100%ige Deckung oft weder möglich noch betriebswirtschaftlich zwingend sinnvoll.
- Warnsignal: Werte deutlich unter 30 % können auf eine Unterkapitalisierung hindeuten. Hier besteht die Gefahr, dass langfristige Investitionen durch kurzfristige Kredite finanziert sind, was das Insolvenzrisiko erhöht.
Für eine fundierte Analyse sollte man immer auch den Deckungsgrad 2 betrachten, der das langfristige Fremdkapital mit einbezieht.
Unterschied zu Deckungsgrad 2 und 3
Während der Deckungsgrad 1 sehr streng nur auf das Eigenkapital schaut, sind die Grade 2 und 3 etwas praxisnäher:
- Deckungsgrad 1: Eigenkapital / Anlagevermögen. (Fokus: Reine Eigenfinanzierung)
- Deckungsgrad 2 (Silberne Bilanzregel): (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Anlagevermögen. Dieser Wert sollte unbedingt über 100 % liegen. Das bedeutet, dass das Anlagevermögen zumindest durch langfristiges Kapital (egal ob eigen oder fremd) finanziert ist.
- Deckungsgrad 3: (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / (Anlagevermögen + Vorräte). Hier wird geprüft, ob auch Teile des Umlaufvermögens langfristig finanziert sind.
Beispielrechnung
Nehmen wir an, die „Musterbau GmbH“ hat folgende Bilanzwerte:
- Anlagevermögen: 1.000.000 € (Maschinen, Fuhrpark)
- Eigenkapital: 600.000 €
- Langfristiges Fremdkapital: 500.000 €
Berechnung Deckungsgrad 1:
\( \frac{600.000}{1.000.000} \times 100 = 60 \% \)
Interpretation: 60 % des Anlagevermögens sind durch Eigenkapital gedeckt. Die Goldene Bilanzregel im engeren Sinne ist nicht erfüllt (da < 100 %). Das ist jedoch nicht zwingend schlecht, solange der Deckungsgrad 2 stimmt.
Gegenprobe Deckungsgrad 2:
\( \frac{600.000 + 500.000}{1.000.000} \times 100 = 110 \% \)
Da dieser Wert über 100 % liegt, ist das Unternehmen solide finanziert (Goldene Bilanzregel im weiteren Sinne erfüllt).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist ein Deckungsgrad 1 von unter 100 % schlecht?
Nicht unbedingt. In kapitalintensiven Branchen ist es oft schwer, das gesamte Anlagevermögen nur mit Eigenkapital zu finanzieren. Solange der Deckungsgrad 2 (Einbezug langfristiges Fremdkapital) über 100 % liegt, gilt die Finanzierung meist als solide.
Wie kann man den Deckungsgrad 1 verbessern?
Es gibt zwei Hebel: Entweder das Eigenkapital erhöhen (z. B. durch Gewinnthesaurierung oder Kapitalerhöhung) oder das Anlagevermögen verringern (z. B. durch Verkauf nicht betriebsnotwendiger Anlagen oder Leasing statt Kauf).