Deckungsgrad 2: Formel & Rechner (Goldene Bilanzregel)

Der Deckungsgrad 2 ist entscheidend für die finanzielle Stabilität. Erfahren Sie die Formel, nutzen Sie unseren Rechner und verstehen Sie die Goldene Bilanzregel.

Der Deckungsgrad 2 (auch Anlagendeckungsgrad II oder „Silberne Bilanzregel“ genannt) ist eine der wichtigsten Kennzahlen in der Bilanzanalyse. Er gibt Auskunft darüber, wie stabil ein Unternehmen finanziert ist, indem er misst, inwieweit das langfristig gebundene Anlagevermögen durch langfristiges Kapital (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) gedeckt ist. Ein gesunder Deckungsgrad 2 ist ein starkes Signal für Krisenfestigkeit und Bonität.

In diesem Artikel erfahren Sie nicht nur die exakte Formel und Berechnung, sondern können Ihren eigenen Wert direkt mit unserem interaktiven Rechner ermitteln und lernen, wie Sie das Ergebnis richtig interpretieren.

Visualisierung Deckungsgrad 2 Grafische Darstellung der Bilanzstruktur: Langfristiges Kapital deckt Anlagevermögen ab. Das Prinzip des Deckungsgrads 2 Aktiva (Verwendung) Anlagevermögen (Langfristig gebunden) Umlaufvermögen Passiva (Herkunft) Eigenkapital Langfr. Fremdkapital Kurzfr. Fremdkapital Finanzierung Langfristiges Kapital Ziel: Langfristiges Kapital > Anlagevermögen (Deckungsgrad 2 > 100%)

Was ist der Deckungsgrad 2?

Der Anlagendeckungsgrad 2 ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis von langfristigem Kapital zum Anlagevermögen beschreibt. Im Gegensatz zum Deckungsgrad 1, der nur das Eigenkapital betrachtet, bezieht der Deckungsgrad 2 auch das langfristige Fremdkapital (z.B. Bankdarlehen mit Laufzeiten über einem Jahr, Pensionsrückstellungen) mit ein.

Er gilt als die „Silberne Bilanzregel“ der Finanzierung. Die Grundidee lautet: Was langfristig im Unternehmen gebunden ist (Anlagevermögen), sollte auch langfristig finanziert sein. Dies stellt sicher, dass das Unternehmen nicht gezwungen ist, Anlagegüter zu verkaufen, wenn kurzfristige Kredite fällig werden.

Warum ist diese Kennzahl wichtig?

  • Liquiditätssicherung: Sie verhindert Engpässe, falls kurzfristige Kredite nicht verlängert werden.
  • Fristenkongruenz: Sie setzt den Grundsatz der Fristenkongruenz um (Laufzeit der Finanzierung entspricht Nutzungsdauer des Vermögensgegenstandes).
  • Kreditwürdigkeit: Banken nutzen diese Kennzahl zur Bonitätsprüfung.

Deckungsgrad 2 Formel

Die Berechnung ist relativ simpel. Man addiert das Eigenkapital und das langfristige Fremdkapital und teilt die Summe durch das Anlagevermögen.

Formel zur Berechnung:

\[ \text{Anlagendeckungsgrad 2} = \frac{\text{Eigenkapital} + \text{langfr. Fremdkapital}}{\text{Anlagevermögen}} \times 100 \% \]

Erklärung der Bestandteile:

  • Eigenkapital: Gezeichnetes Kapital, Rücklagen, Gewinnvortrag.
  • Langfr. Fremdkapital: Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von > 1 Jahr (z.B. Hypotheken, Anleihen, Pensionsrückstellungen).
  • Anlagevermögen: Immaterielle Vermögensgegenstände, Sachanlagen (Maschinen, Gebäude), Finanzanlagen.

Hinweis: Ein Ergebnis über 100% ist erstrebenswert.

Online Rechner: Deckungsgrad 2 berechnen

Nutzen Sie unseren kostenlosen Rechner, um Ihren Anlagendeckungsgrad schnell zu ermitteln. Geben Sie einfach die Werte aus Ihrer Bilanz ein.

Anlagendeckungsgrad 2 Rechner

Ihr Deckungsgrad 2 beträgt:
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Interpretation der Werte: Was ist gut?

Die Interpretation des Deckungsgrads 2 orientiert sich an der sogenannten Goldenen Bilanzregel. Diese besagt, dass das Anlagevermögen vollständig durch langfristiges Kapital gedeckt sein sollte.

Richtwerte im Überblick

  • Über 100% (Ideal): Das gesamte Anlagevermögen und sogar Teile des Umlaufvermögens sind langfristig finanziert. Das Unternehmen steht finanziell sehr stabil da. Ein Wert zwischen 110% und 150% wird oft als optimal angesehen.
  • Genau 100%: Das Anlagevermögen ist exakt durch langfristiges Kapital gedeckt. Die Regel ist gerade noch erfüllt.
  • Unter 100% (Kritisch): Teile des Anlagevermögens sind kurzfristig finanziert. Das verstößt gegen den Grundsatz der Fristenkongruenz. Wenn kurzfristige Kredite fällig werden, könnten Liquiditätsprobleme entstehen, da das Anlagevermögen nicht schnell zu Geld gemacht werden kann.

Beispielrechnung

Nehmen wir an, die „Musterbau GmbH“ hat folgende Bilanzwerte:

  • Eigenkapital: 1.000.000 €
  • Pensionsrückstellungen (langfr.): 200.000 €
  • Bankdarlehen (Laufzeit > 5 Jahre): 300.000 €
  • Anlagevermögen (Maschinen, Fuhrpark): 1.200.000 €

Berechnung:

Langfristiges Kapital = 1.000.000 € + 200.000 € + 300.000 € = 1.500.000 €

Deckungsgrad 2 = (1.500.000 € / 1.200.000 €) * 100 = 125%

Fazit: Mit 125% liegt die Musterbau GmbH im grünen Bereich. Das Anlagevermögen ist sicher finanziert, und es besteht sogar ein Puffer, der Teile des Umlaufvermögens langfristig finanziert.

Unterschied zu Deckungsgrad 1 und 3

Oft werden in der Bilanzanalyse alle drei Deckungsgrade betrachtet, um ein vollständiges Bild zu erhalten:

  • Deckungsgrad 1: (Eigenkapital / Anlagevermögen). Ziel: 70–100%. Strenger, da nur Eigenkapital zählt.
  • Deckungsgrad 2: (EK + langfr. FK / Anlagevermögen). Ziel: > 100%. Der Standard für solide Finanzierung.
  • Deckungsgrad 3: (EK + langfr. FK / (Anlagevermögen + langfristiges Umlaufvermögen)). Ziel: > 100%. Berücksichtigt auch den „Eisernen Bestand“ des Umlaufvermögens.
Zusammenfassung Deckungsgrad 2 Infografik mit den wichtigsten Fakten zum Anlagendeckungsgrad 2. Zusammenfassung: Deckungsgrad 2 fx Die Formel (EK + langfr. FK) Anlagevermögen % Der Zielwert > 100% Goldene Bilanzregel eingehalten Bedeutung Stabilität & Sicherheit "Fristenkongruente Finanzierung" Ein Wert unter 100% signalisiert Handlungsbedarf bei der Finanzierungsstruktur.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was passiert, wenn der Deckungsgrad 2 unter 100% liegt?

Ein Wert unter 100% bedeutet, dass Teile des Anlagevermögens kurzfristig finanziert sind. Dies birgt Risiken: Wenn kurzfristige Kredite fällig gestellt werden, kann das Unternehmen diese nicht durch den Verkauf von Anlagevermögen (z.B. Maschinen) bedienen, ohne den Betriebsablauf zu stören. Es droht Zahlungsunfähigkeit.

Welche Maßnahmen verbessern den Deckungsgrad 2?

Um die Kennzahl zu verbessern, können Unternehmen:

  • Eigenkapital erhöhen (Kapitalerhöhung, Gewinnthesaurierung).
  • Kurzfristige Schulden in langfristige Darlehen umschulden.
  • Nicht betriebsnotwendiges Anlagevermögen verkaufen (Desinvestition).

Ist ein zu hoher Deckungsgrad schlecht?

Ein extrem hoher Deckungsgrad (z.B. > 180%) ist zwar sicher, kann aber auf „Überkapitalisierung“ hindeuten. Das Unternehmen nutzt möglicherweise zu viel teures Eigenkapital oder langfristiges Fremdkapital für das Umlaufvermögen, was die Eigenkapitalrentabilität senken kann.

Weitere Informationen zu Bilanzkennzahlen finden Sie auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

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