Sie planen eine Existenzgründung, einen Hauskauf oder ein größeres Investitionsprojekt? Dann ist ein professioneller Finanzierungsplan unverzichtbar. Ohne eine klare Übersicht über Ihre Kapitalquellen – Eigenkapital, Fremdkapital und Fördermittel – riskieren Sie finanzielle Engpässe und gefährden Ihr gesamtes Vorhaben.
In diesem umfassenden Ratgeber erhalten Sie nicht nur eine kostenlose Finanzierungsplan Vorlage, sondern auch eine detaillierte Anleitung zur Erstellung, praktische Tipps für die Bankverhandlung und einen interaktiven Rechner zur sofortigen Berechnung Ihres Finanzierungsbedarfs.
Was ist ein Finanzierungsplan?
Ein Finanzierungsplan ist ein zentrales Dokument, das alle Kapitalquellen für ein Vorhaben systematisch auflistet. Er zeigt, woher das Geld für ein Unternehmen oder ein Projekt stammt und wofür es verwendet wird. Im Wesentlichen besteht der Plan aus drei Teilen: Kosten, Eigenkapital und Fremdkapital.
Der Finanzierungsplan ist Teil des Finanzplans und damit auch typischer Bestandteil eines Businessplans. Im Gegensatz zum Kapitalbedarfsplan zeigt er nicht an, in welcher Höhe Sie Fremdmittel benötigen, sondern aus welchen Finanzierungsquellen das Kapital stammt.
💡 Wichtig: Der Finanzierungsplan wird Banken bzw. Kreditgebern bei der Antragstellung vorgelegt und ist Voraussetzung für die Bewilligung von Fördergeldern und anderen Finanzhilfen. Er gibt Auskunft über die Gesamtfinanzierung des Unternehmens.
Finanzierungsplan vs. Finanzplan: Der Unterschied
Viele verwechseln den Finanzierungsplan mit dem Finanzplan – dabei erfüllen beide unterschiedliche Funktionen:
| Finanzplan | Finanzierungsplan |
|---|---|
| Zeigt die gesamte Unternehmensentwicklung in Zahlen | Zeigt die Herkunft des Kapitals |
| Umfasst Umsatz-, Kosten- und Liquiditätsplanung | Listet Eigen- und Fremdkapitalquellen auf |
| Beantwortet: Ist das Unternehmen rentabel? | Beantwortet: Woher kommt das Geld? |
| Planungshorizont: 3-5 Jahre | Fokus auf Gründungs-/Investitionsphase |
Der Finanzplan ist das Herzstück jedes Businessplans. Er stellt die Unternehmensentwicklung in Zahlen dar und gibt damit Aufschluss, ob sich Ihre Gründung auch wirtschaftlich lohnt. Der Finanzierungsplan wiederum berechnet, wie die ermittelten Kosten gedeckt werden.
Wann brauchen Sie einen Finanzierungsplan?
Einen Finanzierungsplan brauchen Sie für die Berechnung Ihrer Finanzen in folgenden Bereichen:
- Existenzgründung: Für den Start Ihres Unternehmens
- Baufinanzierung: Beim Hausbau oder Immobilienkauf
- Beantragung von Fördermitteln: KfW-Kredite, Landesförderungen
- Investitionskredite: Für Maschinen, Anlagen, Expansion
- Unternehmenskauf: Bei Übernahmen und Beteiligungen
- Konsumkredite: Für größere private Anschaffungen
Nicht immer ist es die eigene Selbstständigkeit, die einen Finanzierungsplan nötig macht. Wann immer es um Investitionen geht, bei denen eine Finanzierung erforderlich ist, kann ein Finanzierungsplan sinnvoll oder auch vorgeschrieben sein.
Die 3 Bestandteile eines Finanzierungsplans
1. Eigenkapital – Ihre eigenen Mittel
Das Eigenkapital ist der Teil des Unternehmenskapitals, welcher nach Abzug aller Schulden und Verbindlichkeiten übrigbleibt. Es steht dem Unternehmen unbefristet zur Verfügung und unterliegt keiner Verzinsung oder Tilgung.
Zum Eigenkapital gehören:
- Bargeld und Bankguthaben
- Wertpapiere und Aktien
- Immobilien und Grundstücke
- Sacheinlagen (Maschinen, Fahrzeuge)
- Einbehaltene Gewinne (bei bestehenden Unternehmen)
✓ Vorteile von Eigenkapital: Keine Rückzahlung nötig, keine Zinsen, erhöht die Kreditwürdigkeit, mehr Unabhängigkeit von Geldgebern.
2. Fremdkapital – Externe Finanzierung
Unter Fremdfinanzierung fällt jede Form der Finanzierung, bei der Kapital von außen zugeführt wird, das wieder zurückbezahlt werden muss. Das Fremdkapital bildet die Differenz zwischen Eigenkapital und Gesamtkosten.
Typische Fremdkapitalquellen:
- Bankdarlehen und Kredite
- Investorenbeteiligungen
- Lieferantenkredite
- Leasing-Finanzierungen
- Mezzanine-Kapital (Mischform)
Bei der Finanzierung über Fremdkapital erhält der Kreditgeber kein Mitspracherecht. Unternehmen können die Zinsen der Fremdfinanzierung von der Steuer absetzen und damit gegenüber dem Einsatz von Eigenkapital Steuern sparen.
3. Fördermittel – Staatliche Unterstützung
Fördermittel sind eine besondere Form der Finanzierung mit günstigen Konditionen. In Deutschland existieren ca. 1.500 bis 2.000 verschiedene Fördermittel für Existenzgründer.
Wichtige Förderprogramme 2025:
- KfW ERP-Gründerkredit StartGeld: Bis zu 200.000 € (ab Dezember 2025)
- ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge: Für größere Vorhaben
- Gründungszuschuss: Bei Gründung aus Arbeitslosigkeit
- Landesförderprogramme: Je nach Bundesland unterschiedlich
Der KfW-Gründerkredit richtet sich an Gründer, Existenzgründer, Freiberufler und Unternehmensnachfolger, deren Unternehmen nicht länger als fünf Jahre am Markt ist. Die KfW-Bank übernimmt für den Finanzierungspartner 80 Prozent der Haftung, was die Kreditvergabe erleichtert.
Finanzierungsplan erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Kapitalbedarfsplan erstellen
Bevor Sie den Finanzierungsplan erstellen, müssen Sie im Vorfeld einen Kapitalbedarfsplan aufstellen. Dieser ist Teil des Finanzplans und enthält alle geplanten Investitionen. Sie listen alle geplanten Investitionen und deren Kosten auf und erhalten so eine Gesamtsumme.
Der Kapitalbedarf setzt sich zusammen aus:
- Gründungskosten (Notar, Gewerbeanmeldung, Beratung)
- Investitionen (Maschinen, Einrichtung, Fahrzeuge)
- Betriebsmittel (Warenlager, Miete, Personal)
- Liquiditätsreserve (für unvorhergesehene Ausgaben)
Schritt 2: Eigenkapital zusammenstellen
Listen Sie alle verfügbaren Eigenmittel auf. Während der Gründungsphase greifen die meisten Unternehmen größtenteils auf Eigenkapital zurück. Ein hoher Eigenkapitalanteil verschafft Ihnen mehr Sicherheit und macht Sie für Kreditgeber attraktiver.
Schritt 3: Fördermöglichkeiten recherchieren
Prüfen Sie, welche Förderprogramme für Ihr Vorhaben infrage kommen. Der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW richtet sich an Existenzgründer, Freiberufler und Unternehmensnachfolger mit Kreditsummen bis zu 200.000 Euro.
Schritt 4: Fremdkapitalbedarf ermitteln
Die Differenz zwischen Kapitalbedarf und verfügbarem Eigenkapital plus Fördermitteln ergibt Ihren Fremdkapitalbedarf. Dieser wird klassischerweise durch Bankdarlehen gedeckt.
Schritt 5: Finanzierungsplan dokumentieren
Erfassen Sie in Ihrer Finanzierungsplan-Vorlage neben den Finanzierungsquellen auch die wichtigsten Konditionen der Fremdmittel. Dazu gehören die vereinbarten Zinsen, die Laufzeiten und die Dauer der Zinsbindung.
Finanzierungsplan Vorlage: Aufbau und Struktur
Gliedern Sie Ihre Finanzierungsplan-Vorlage am besten nach Eigenkapital, Fremdkapital sowie Fremdmitteln aus Förderprogrammen. So lässt sich auf einen Blick erkennen, wie Ihr Unternehmen finanziert wird.
📋 Muster-Finanzierungsplan
| Position | Betrag (€) |
|---|---|
| A. EIGENKAPITAL | |
| Bargeld / Bankguthaben | 15.000 |
| Wertpapiere | 5.000 |
| Sacheinlagen (Fahrzeug, Geräte) | 10.000 |
| Summe Eigenkapital | 30.000 |
| B. FÖRDERMITTEL | |
| KfW-Gründerkredit StartGeld | 50.000 |
| Summe Fördermittel | 50.000 |
| C. FREMDKAPITAL | |
| Bankdarlehen (Hausbank) | 40.000 |
| Privatdarlehen (Familie) | 10.000 |
| Summe Fremdkapital | 50.000 |
| GESAMTFINANZIERUNG | 130.000 |
Finanzierungsplan Rechner
Nutzen Sie unseren interaktiven Rechner, um Ihren Finanzierungsbedarf schnell und einfach zu ermitteln:
💰 Finanzierungsplan Rechner
Formel zur Berechnung des Finanzierungsbedarfs
Tipps für einen überzeugenden Finanzierungsplan
✅ Realistische Zahlen
Kalkulieren Sie Ihren Finanzplan realistisch und belegen Sie Ihre Zahlen mit Ergebnissen aus Ihren Recherchen. Unrealistische Ziele führen zu verstimmten Financiers.
📊 Ausreichend Eigenkapital
Eine solide Eigenkapitalausstattung ist der Schlüssel zur erfolgreichen Existenzgründung und reduziert die Gefahr von Liquiditätsproblemen.
🎯 Fördermittel nutzen
Prüfen Sie alle verfügbaren Förderprogramme. Der KfW-Gründerkredit bietet günstige Zinsen und 80% Haftungsfreistellung für Ihre Hausbank.
📝 Vollständige Dokumentation
Erfassen Sie alle Konditionen: Zinsen, Laufzeiten, Tilgungsmodalitäten. Ein detaillierter Plan signalisiert Kreditgebern, dass Sie solide geplant haben.
Häufige Fehler beim Finanzierungsplan vermeiden
- Kapitalbedarf unterschätzen: Planen Sie immer eine Liquiditätsreserve von 10-20% ein
- Anlaufzeit ignorieren: Berücksichtigen Sie, dass Umsätze oft erst nach Monaten fließen
- Fördermittel vergessen: Viele Gründer verschenken günstige Finanzierungsmöglichkeiten
- Zu wenig Eigenkapital: Unter 20% Eigenkapitalquote erschwert die Kreditvergabe
- Keine Alternativen: Haben Sie Plan B, falls eine Finanzierungsquelle ausfällt
Unterstützung bei der Finanzierungsplanung
Wenn Sie bei der Erstellung Ihres Finanzplans Schwierigkeiten haben, gibt es verschiedene Hilfsangebote. Sie können Existenzgründungsseminare oder Beratungsangebote von öffentlichen Einrichtungen wie der IHK oder der Wirtschaftsförderung nutzen.
Als Existenzgründer können Sie zudem bei der Förderbank KfW Zuschüsse für ein Gründercoaching beantragen. Die auf Gründungen spezialisierten Coaches bringen langjährige Beratungserfahrung mit und wissen genau, worauf es bei einem Finanzplan ankommt.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Finanzierungsplan
Was gehört alles in einen Finanzierungsplan?
Ein Finanzierungsplan sollte sowohl Eigen- als auch Fremdkapital, potenzielle Fördermittel und unvorhergesehene Ausgaben umfassen. Er sollte auch eine langfristige Perspektive berücksichtigen, idealerweise über die nächsten 3-5 Jahre bei Gründungen.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Gründung?
Es gibt keine verbindliche Regel, aber eine Eigenkapitalquote von 20-30% wird empfohlen. Je höher Ihr Eigenkapitalanteil, desto kreditwürdiger erscheinen Sie für Banken und desto besser sind Ihre Konditionen.
Über wie viele Jahre muss ein Finanzplan ausgelegt sein?
Für einen Finanzplan zur Gründung gehören für Banken und Investoren mindestens 3 volle Geschäftsjahre zum Standard. Bei kapitalintensiveren Projekten ist auch eine 5-Jahresplanung ratsam.
Wo beantrage ich den KfW-Gründerkredit?
Den KfW-Förderkredit beantragen Sie über Ihre Hausbank bei der KfW. Die Bank prüft Ihren Antrag und stellt ihn dann in Ihrem Namen bei der KfW. Wichtig: Der Antrag muss vor Beginn der Investition gestellt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Finanzplan und Finanzierungsplan?
Der Finanzplan zeigt die gesamte Unternehmensentwicklung in Zahlen (Umsatz, Kosten, Rentabilität). Der Finanzierungsplan ist ein Teil davon und zeigt speziell, woher das benötigte Kapital stammt (Eigenkapital, Fremdkapital, Fördermittel).
Fazit: Mit dem richtigen Finanzierungsplan zum Erfolg
Ein sorgfältig ausgearbeiteter Finanzierungsplan ist das A und O für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Er gibt Ihnen nicht nur Klarheit über Ihre finanzielle Situation, sondern ist auch die Grundlage für erfolgreiche Bankgespräche und Förderanträge.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Ermitteln Sie zunächst Ihren Kapitalbedarf vollständig
- Listen Sie alle verfügbaren Eigenkapitalquellen auf
- Prüfen Sie Fördermöglichkeiten wie den KfW-Gründerkredit
- Berechnen Sie den verbleibenden Fremdkapitalbedarf
- Dokumentieren Sie alle Konditionen übersichtlich
Nehmen Sie sich für die Erstellung Ihres Finanzierungsplans ausreichend Zeit – er ist ein wesentlicher Baustein, um als Kreditnehmer für Banken oder auch für Investoren attraktiv zu sein. Mit unserer kostenlosen Vorlage und dem Rechner haben Sie alle Werkzeuge, um Ihren professionellen Finanzierungsplan zu erstellen.