Mehrstufiger BAB: Definition, Berechnung & Beispiele

Der mehrstufige Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ist essenziell für eine exakte Kostenrechnung. Lernen Sie hier Definition, Verfahren (Stufenleiter, Anbau) und Berechnung.

Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) ist das Herzstück der internen Unternehmenssteuerung. Während der einfache Betriebsabrechnungsbogen (BAB) oft ausreicht, um primäre Gemeinkosten zu verteilen, stößt er schnell an seine Grenzen, wenn Hilfskostenstellen untereinander Leistungen austauschen. Hier kommt der mehrstufige BAB ins Spiel.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie der mehrstufige BAB funktioniert, welche Verfahren zur innerbetrieblichen Leistungsverrechnung (IBL) existieren und wie Sie diese korrekt anwenden. Wir führen Sie vom theoretischen Verständnis bis zur praktischen Berechnung.

Ablauf im mehrstufigen BAB Visualisierung des Kostenflusses von primären Gemeinkosten über Hilfskostenstellen zu Hauptkostenstellen. Primäre Gemeinkosten Hilfskostenstellen Energie / Strom Kantine / Soziales Instandhaltung Innerbetr. Verrechnung Hauptkostenstellen Material Fertigung Verwaltung Vertrieb Kostenträger (Produkte)

Was ist ein mehrstufiger BAB?

Ein Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ist ein tabellarisches Instrument der Kostenstellenrechnung, mit dem Gemeinkosten auf die verursachenden Unternehmensbereiche verteilt werden. Während der einfache BAB lediglich primäre Gemeinkosten (z. B. Miete, Gehälter) auf die Kostenstellen verteilt, geht der mehrstufige BAB einen entscheidenden Schritt weiter.

Er berücksichtigt die sogenannte innerbetriebliche Leistungsverrechnung (IBL). Das bedeutet: Wenn eine Hilfskostenstelle (z. B. die betriebseigene Kantine oder die Instandhaltung) Leistungen für eine andere Kostenstelle erbringt, müssen diese Kosten ebenfalls weiterverrechnet werden, bevor die endgültigen Zuschlagssätze für die Kostenträger (Produkte) ermittelt werden können.

Merke: Ein mehrstufiger BAB ist immer dann notwendig, wenn es im Unternehmen Vorkostenstellen (Hilfskostenstellen) gibt, deren Kosten auf Endkostenstellen (Hauptkostenstellen) umgelegt werden müssen.

Warum ist die Unterscheidung wichtig?

Ohne einen mehrstufigen Ansatz würden die Kosten der Hilfsbereiche nicht korrekt in die Produktkalkulation einfließen. Würde man beispielsweise die Kosten der Instandhaltungswerkstatt ignorieren, erschienen die Produkte am Ende günstiger, als sie tatsächlich sind. Dies kann zu fatalen Fehlentscheidungen in der Preispolitik führen.

Die Struktur der Kostenstellen

  • Allgemeine Hilfskostenstellen: Erbringen Leistungen für das gesamte Unternehmen (z. B. Gebäude, Stromversorgung).
  • Spezielle Hilfskostenstellen: Arbeiten für bestimmte Bereiche (z. B. Arbeitsvorbereitung für die Fertigung).
  • Hauptkostenstellen: Hier findet die eigentliche Wertschöpfung statt (Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb).

Verfahren der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung

Im Rahmen des mehrstufigen BAB gibt es verschiedene mathematische Verfahren, um die Kosten der Hilfsstellen zu verteilen. Die Wahl des Verfahrens hängt von der gewünschten Genauigkeit und dem Verflechtungsgrad der Kostenstellen ab.

1. Anbauverfahren

Das einfachste Verfahren. Es ignoriert Leistungsbeziehungen zwischen den Hilfskostenstellen komplett. Jede Hilfskostenstelle verrechnet ihre Kosten nur direkt an die Hauptkostenstellen. Es ist ungenau, aber schnell.

2. Stufenleiterverfahren (Treppenverfahren)

Dies ist das gängigste Verfahren für den mehrstufigen BAB. Die Hilfskostenstellen werden so angeordnet, dass sie (idealerweise) nur Leistungen an nachgelagerte Stellen abgeben. Es erfolgt eine einseitige Verrechnung „Stufe für Stufe“.

3. Gleichungsverfahren

Das mathematisch exakteste Verfahren. Es berücksichtigt auch den gegenseitigen Leistungsaustausch (z. B. die Kantine nutzt Strom, das Kraftwerk nutzt die Kantine) durch ein lineares Gleichungssystem.

Mathematik hinter dem Stufenleiterverfahren:

Beim Stufenleiterverfahren wird der Verrechnungssatz (q) für eine Hilfskostenstelle (HKS) berechnet, indem die primären Gemeinkosten dieser Stelle plus die bereits von vorgelagerten Stellen empfangenen sekundären Kosten durch die abgegebene Gesamtleistung geteilt werden.

Formel für den Verrechnungssatz:

\[ q_i = \frac{K_{prim,i} + \sum_{j=1}^{i-1} (L_{j,i} \cdot q_j)}{\text{Gesamtleistung}_i - \text{Eigenverbrauch}_i} \]

Erklärung der Bestandteile:

  • \(q_i\): Verrechnungspreis der Kostenstelle i
  • \(K_{prim,i}\): Primäre Gemeinkosten der Stelle i
  • \(L_{j,i}\): Leistung, die von Stelle j an i geliefert wurde
  • \(q_j\): Bereits berechneter Preis der vorgelagerten Stelle j

Beispiel: Mehrstufiger BAB mit Stufenleiterverfahren

Nehmen wir an, ein Unternehmen hat zwei Hilfskostenstellen (Energie, Kantine) und zwei Hauptkostenstellen (Fertigung, Verwaltung). Die Energiekostenstelle liefert auch Strom an die Kantine. Deshalb muss die Energie vor der Kantine abgerechnet werden.

Kostenart / Stelle Energie (HKS 1) Kantine (HKS 2) Fertigung (Haupt) Verwaltung (Haupt)
Primäre Gemeinkosten 10.000 € 5.000 € 40.000 € 20.000 €
1. Umlage Energie
(Verteilung: 10% Kantine, 60% Fertigung, 30% Verw.)
- 10.000 € + 1.000 € + 6.000 € + 3.000 €
Zwischensumme 0 € 6.000 € 46.000 € 23.000 €
2. Umlage Kantine
(Verteilung: 80% Fertigung, 20% Verw.)
0 € - 6.000 € + 4.800 € + 1.200 €
Gesamtkosten 0 € 0 € 50.800 € 24.200 €

Wie Sie sehen, wurden die Kosten der Kantine erst verteilt, nachdem sie die Kosten der Energie empfangen hatte. Die ursprünglichen 5.000 € der Kantine erhöhten sich auf 6.000 €, die dann weiterverteilt wurden.

Interaktiver BAB-Verteilungsrechner

Nutzen Sie diesen Rechner, um eine einfache Umlage einer Hilfskostenstelle auf zwei Hauptkostenstellen zu simulieren.

Umlage-Rechner (Einstufig)

Die Summe der Anteile muss 100% ergeben.

Zuweisung an Stelle A: 6.000,00 €
Zuweisung an Stelle B: 4.000,00 €

Häufige Fehler bei der Erstellung

Auch Profis unterlaufen Fehler im mehrstufigen BAB. Achten Sie besonders auf folgende Punkte:

  • Zirkelbezüge ignorieren: Wenn sich Hilfskostenstellen gegenseitig beliefern (Strom braucht Kantine, Kantine braucht Strom), führt das Stufenleiterverfahren zu Ungenauigkeiten. Hier sollte das Gleichungsverfahren genutzt werden.
  • Falsche Reihenfolge: Im Stufenleiterverfahren muss die Stelle, die am wenigsten Leistungen von anderen empfängt (aber viele abgibt), ganz links stehen.
  • Veraltete Verteilungsschlüssel: Prüfen Sie regelmäßig, ob Quadratmeterzahlen oder Mitarbeiteranzahlen noch aktuell sind.

Für vertiefende Informationen zur Kostenrechnung empfehlen wir die Ressourcen der IHK oder wissenschaftliche Ausführungen von Universitäten.

Zusammenfassung: Verfahren im Vergleich Verfahren der IBL im Überblick Anbauverfahren Einfach & Schnell Ignoriert Austausch zwischen Hilfsstellen Ungenau Stufenleiter Standard in Praxis Einseitige Verrechnung Mittelmaß Gleichung Mathematisch exakt Voller Austausch berücksichtigt Sehr Genau Wahl abhängig von Kosten-Nutzen-Verhältnis und IT-Unterstützung

Fazit

Der mehrstufige BAB ist unverzichtbar für Unternehmen mit komplexen Strukturen und internen Servicebereichen. Nur durch die korrekte Verrechnung der Sekundärkosten über das Stufenleiter- oder Gleichungsverfahren können realistische Kostensätze für die Kalkulation ermittelt werden. Dies sichert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit durch transparente Preiskalkulationen.

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