In einer Geschäftswelt, die zunehmend von Volatilität und Unsicherheit geprägt ist (Stichwort VUKA-Welt), stoßen klassische, statische Jahresbudgets schnell an ihre Grenzen. Kaum ist das Budget verabschiedet, ist es oft schon wieder veraltet. Die Lösung für viele moderne Unternehmen lautet: Revolvierende Planung (oder auch Rolling Forecast).
Dieser Ansatz ersetzt den starren Blick auf das Geschäftsjahresende durch einen kontinuierlichen, gleitenden Planungshorizont. Doch wie funktioniert das genau, und lohnt sich der Umstellungsaufwand? In diesem Artikel beleuchten wir Definitionen, Vor- und Nachteile sowie Best Practices für die Implementierung.
Was ist eine revolvierende Planung?
Die revolvierende Planung (englisch: Rolling Forecast) ist ein dynamischer Ansatz der Unternehmenssteuerung. Im Gegensatz zur traditionellen Budgetierung, die meist einmal jährlich für das kommende Geschäftsjahr erstellt wird, wird die revolvierende Planung in regelmäßigen Abständen (z. B. monatlich oder quartalsweise) aktualisiert.
Das Kernprinzip lautet: Sobald ein Zeitraum (z. B. ein Monat) vergangen ist, wird ein neuer Zeitraum am Ende des Planungshorizonts angehängt. Dadurch blickt das Unternehmen immer gleich weit in die Zukunft – typischerweise 12, 15 oder 18 Monate – unabhängig vom kalendarischen Jahresende.
Unterschiede: Statische Budgetierung vs. Rolling Forecast
Um den Mehrwert zu verstehen, lohnt sich ein direkter Vergleich der beiden Systeme:
| Merkmal | Statische Planung | Revolvierende Planung |
|---|---|---|
| Zeithorizont | Fixiert (meist Geschäftsjahr) | Gleitend (immer x Monate voraus) |
| Zielsetzung | Kontrolle & Zielerreichung | Steuerung & Früherkennung |
| Detailgrad | Oft sehr hoch (Konten-Ebene) | Fokus auf Werttreiber (KPIs) |
| Aufwand | Hoch, einmal jährlich | Verteilt über das Jahr |
Die Vorteile der revolvierenden Planung
Warum wechseln immer mehr Unternehmen zu diesem Modell? Die Vorteile liegen vor allem in der Agilität:
- Aktualität: Pläne basieren auf den neuesten Marktdaten und nicht auf Annahmen, die Monate alt sind.
- Keine „Wall“ am Jahresende: Strategische Entscheidungen werden nicht künstlich verzögert, bis das neue Budget genehmigt ist.
- Bessere Ressourcenallokation: Budgets können dorthin verschoben werden, wo sie aktuell den größten Nutzen stiften.
- Realismus: Dient eher als ehrliche Prognose („Was wird passieren?“) statt als politisches Ziel („Was soll passieren?“).
Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit modernen Controlling-Methoden bietet der Internationale Controller Verein (ICV) wertvolle Ressourcen und Fachartikel.
Mathematik im Controlling: Forecast Accuracy
Ein kritischer Erfolgsfaktor bei der revolvierenden Planung ist die Messung der Prognosegüte. Nur wenn Sie wissen, wie genau Ihre Vorhersagen sind, können Sie den Prozess verbessern. Eine Standardformel hierfür ist der MAPE (Mean Absolute Percentage Error).
Interaktiver Rechner: Plan-Ist-Abweichung
Nutzen Sie diesen einfachen Rechner, um schnell die Abweichung zwischen Ihrem Forecast und den tatsächlichen Werten für eine Periode zu ermitteln.
Herausforderungen bei der Einführung
Trotz der Vorteile ist die Einführung kein Selbstläufer. Unternehmen unterschätzen oft den kulturellen Wandel. Controller müssen sich vom „Erbsenzähler“ zum Business Partner entwickeln, der Szenarien modelliert statt Abweichungen zu rechtfertigen.
Zudem erfordert der Prozess oft eine Anpassung der IT-Landschaft. Excel-Tapeten stoßen bei monatlichen Updates schnell an ihre Grenzen; spezialisierte Planungstools sind hier oft notwendig. Weitere Informationen zu modernen Planungsprozessen finden Sie oft in Fachpublikationen wie Haufe Controlling.
Zusammenfassung: Erfolgsfaktoren
Damit die revolvierende Planung gelingt, sollten Sie folgende vier Säulen beachten:
Fazit
Die revolvierende Planung ist mehr als nur eine neue Methode – sie ist ein Mindset-Shift hin zu mehr Agilität. Wer den anfänglichen Implementierungsaufwand nicht scheut, wird mit einer deutlich besseren Reaktionsfähigkeit auf Marktveränderungen belohnt.