Viele angehende Selbstständige stellen sich die gleiche Frage: Wie viel Geld brauche ich eigentlich, um ein Einzelunternehmen zu gründen? Die Angst vor hohen Hürden wie bei einer GmbH (25.000 € Stammkapital) schreckt viele ab. Die gute Nachricht vorweg: Für das Einzelunternehmen gibt es kein gesetzliches Mindestkapital. Sie können theoretisch mit 0 Euro starten.
Doch Vorsicht: „Kein Mindestkapital“ bedeutet nicht „keine Kosten“. Wer ohne finanzielle Rücklagen gründet, riskiert schnell die Zahlungsunfähigkeit. In diesem Artikel schlüsseln wir auf, welche Gründungskosten tatsächlich auf Sie zukommen, wie Sie Ihren Kapitalbedarf berechnen und warum Liquidität wichtiger ist als das Stammkapital.
Gibt es ein gesetzliches Mindestkapital?
Nein. Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften wie der GmbH oder der UG (haftungsbeschränkt) schreibt der Gesetzgeber für das Einzelunternehmen kein Stammkapital vor. Das liegt an der Haftungsstruktur: Als Einzelunternehmer haften Sie nicht nur mit dem Firmenvermögen, sondern auch unbeschränkt mit Ihrem Privatvermögen.
Da Ihre persönliche Bonität als Sicherheit dient, verlangt der Staat keine hinterlegte Summe auf einem Geschäftskonto. Dies macht das Einzelunternehmen zur beliebtesten Rechtsform für Gründer in Deutschland, da die Einstiegshürden extrem niedrig sind.
Die „versteckten“ Gründungskosten
Auch wenn Sie keine 25.000 Euro auf den Tisch legen müssen, ist die Gründung nicht völlig kostenlos. Sie sollten zwischen 50 € und 500 € für die reinen Formalitäten einplanen. Hier ist eine Übersicht der typischen Verwaltungskosten:
- Gewerbeanmeldung: Je nach Stadt zwischen 15 € und 65 €.
- Handelsregister (optional): Für eingetragene Kaufleute (e.K.) ca. 70 € – 100 € (plus Notarkosten).
- Mitgliedschaften: IHK oder Handwerkskammer (Beiträge variieren, oft existieren Freigrenzen für Gründer).
- Genehmigungen: Für bestimmte Gewerbe (z.B. Gastronomie, Makler) fallen Kosten für Führungszeugnisse oder Konzessionen an.
Liquiditätsplanung: Das tatsächliche Startkapital berechnen
Das eigentliche „Mindestkapital“ ist das Geld, das Sie benötigen, um den Geschäftsbetrieb aufzunehmen und die ersten Monate ohne nennenswerte Einnahmen zu überbrücken. Eine solide Finanzplanung unterscheidet zwischen Gründungskosten, Investitionen und Betriebsmittelbedarf.
Interaktiver Gründungskosten-Rechner
Nutzen Sie diesen Rechner, um eine grobe Schätzung Ihres individuellen Startkapitals zu erhalten.
Einzelunternehmen vs. GmbH & UG
Warum entscheiden sich manche Gründer trotz der höheren Kapitalkosten für eine GmbH? Der Hauptgrund ist die Haftungsbeschränkung. Hier ein kurzer Vergleich:
| Merkmal | Einzelunternehmen | GmbH |
|---|---|---|
| Mindestkapital | 0 € (gesetzlich) | 25.000 € |
| Haftung | Privat & geschäftlich (unbeschränkt) | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen |
| Gründungsaufwand | Niedrig (Gewerbeamt) | Hoch (Notar, Handelsregister) |
Für detaillierte Informationen zur Rechtsformwahl empfiehlt sich ein Blick auf das Existenzgründungsportal des BMWK, eine der verlässlichsten Quellen für Gründer in Deutschland.
Fazit: Starten Sie schlank, aber nicht blank
Dass für ein Einzelunternehmen kein Mindestkapital vorgeschrieben ist, ist ein großer Vorteil für Bootstrapping-Gründer. Es senkt die Eintrittsbarriere enorm. Dennoch sollten Sie niemals ohne einen finanziellen Puffer starten. Kalkulieren Sie Ihre privaten Lebenshaltungskosten und die ersten betrieblichen Ausgaben realistisch durch.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich für ein Einzelunternehmen ein Geschäftskonto eröffnen?
Gesetzlich ist dies für Einzelunternehmer nicht vorgeschrieben, aber dringend empfohlen. Es erleichtert die Buchhaltung und trennt private von geschäftlichen Ausgaben sauber ab.
Kann ich Sacheinlagen statt Geld einbringen?
Da es kein formelles Stammkapital gibt, gibt es auch keine formellen Sacheinlagen wie bei einer GmbH. Sie können jedoch vorhandene Geräte (Laptop, PKW) in das Betriebsvermögen einlegen.