Die Lohnquote ist eine der wichtigsten Kennzahlen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR). Sie gibt an, welchen Anteil das Arbeitnehmerentgelt am gesamten Volkseinkommen hat. Einfach ausgedrückt: Sie zeigt, wie groß das Stück vom „Wirtschaftskuchen“ ist, das bei den Arbeitnehmern ankommt, im Vergleich zu dem, was Unternehmen und Vermögenseigentümer erhalten.
Ob für das Studium der Wirtschaftswissenschaften, für HR-Analysen oder einfach zum Verständnis der aktuellen Verteilungsdebatte – zu wissen, wie man die Lohnquote berechnet, ist essenziell. In diesem Artikel finden Sie die genauen Formeln, den Unterschied zwischen unbereinigter und bereinigter Lohnquote sowie einen interaktiven Rechner.
Was ist die Lohnquote?
Die Lohnquote ist ein Indikator für die funktionelle Einkommensverteilung. Sie beantwortet die Frage: Wie viel vom gesamten erwirtschafteten Einkommen einer Volkswirtschaft fließt an die abhängig Beschäftigten?
Das Gegenstück zur Lohnquote ist die Gewinnquote. Zusammen ergeben sie immer 100 % des Volkseinkommens. Steigt die Lohnquote, sinkt zwangsläufig die Gewinnquote und umgekehrt.
Wichtige Begriffe zur Berechnung
- Arbeitnehmerentgelt: Dies umfasst nicht nur die ausgezahlten Nettolöhne, sondern auch Lohnsteuern und die Sozialbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer (Bruttolöhne + Lohnnebenkosten).
- Volkseinkommen: Die Summe aller Erwerbs- und Vermögenseinkommen, die Inländer in einer bestimmten Periode erzielt haben.
Formel: Lohnquote berechnen
Die grundlegende Berechnung ist verhältnismäßig einfach. Man setzt das Arbeitnehmerentgelt ins Verhältnis zum gesamten Volkseinkommen.
Interaktiver Lohnquoten-Rechner
Nutzen Sie diesen Rechner, um die unbereinigte Lohnquote schnell zu ermitteln. Geben Sie die Werte in Milliarden Euro (oder einer anderen Währung) ein.
Unbereinigte vs. Bereinigte Lohnquote: Der entscheidende Unterschied
Wenn Sie in den Nachrichten von der Lohnquote hören, ist meist die unbereinigte Lohnquote gemeint. Diese hat jedoch eine statistische Schwäche: Sie ändert sich, wenn sich die Erwerbsstruktur ändert.
Das Problem: Wenn mehr Menschen vom Status „Selbstständig“ in den Status „Arbeitnehmer“ wechseln, steigt das Arbeitnehmerentgelt und damit die Lohnquote – selbst wenn die Löhne pro Kopf gar nicht gestiegen sind. Dies nennt man den Struktureffekt.
Um diesen Effekt herauszurechnen, nutzen Ökonomen die bereinigte Lohnquote. Sie fixiert die Erwerbsstruktur auf ein Basisjahr.
Beispielrechnung
Nehmen wir eine fiktive Volkswirtschaft an:
- Arbeitnehmerentgelt: 1.800 Milliarden Euro
- Unternehmens- und Vermögenseinkommen: 700 Milliarden Euro
Schritt 1: Volkseinkommen berechnen
1.800 Mrd. + 700 Mrd. = 2.500 Mrd. Euro
Schritt 2: Lohnquote berechnen
(1.800 / 2.500) × 100 = 72 %
Das bedeutet: 72 % des Volkseinkommens fließen als Löhne und Gehälter an die Arbeitnehmer, während 28 % als Gewinne und Zinsen an Unternehmen und Vermögende gehen.
Für aktuelle Daten zur deutschen Wirtschaft lohnt sich ein Blick auf die Seiten des Statistischen Bundesamtes (Destatis), das regelmäßig die Verteilungsrechnung veröffentlicht.
Interpretation: Was sagt eine hohe oder niedrige Quote aus?
- Steigende Lohnquote: Die Arbeitnehmer partizipieren stärker am Wirtschaftswachstum. Dies stärkt oft die Kaufkraft (Konsumnachfrage), kann aber bei zu starkem Anstieg die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dämpfen (Lohnkostendruck).
- Sinkende Lohnquote: Die Gewinne der Unternehmen wachsen schneller als die Löhne. Dies kann Investitionen fördern, führt aber oft zu Diskussionen über soziale Ungleichheit, da Vermögenseinkommen meist ungleicher verteilt sind als Lohneinkommen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettolohnquote?
Die Bruttolohnquote basiert auf dem Arbeitnehmerentgelt inklusive Steuern und Sozialabgaben. Die Nettolohnquote betrachtet nur die tatsächlich ausgezahlten Nettolöhne im Verhältnis zum Volkseinkommen. Die Bruttoquote ist in der Makroökonomie gebräuchlicher.
Warum ist die Lohnquote in Deutschland gesunken?
In vielen Industrieländern war über Jahrzehnte ein tendenzielles Sinken der Lohnquote zu beobachten. Gründe hierfür sind unter anderem technischer Fortschritt (Kapital ersetzt Arbeit), Globalisierung und die Schwächung von Gewerkschaften. Detaillierte Analysen hierzu bietet oft das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
Ist eine Lohnquote von 100 % möglich?
Theoretisch ja, aber praktisch unmöglich in einer Marktwirtschaft. Das würde bedeuten, dass keine Gewinne mehr gemacht werden, was Investitionen stoppen und Unternehmen in den Bankrott treiben würde.